Autonome Antifa Freiburg
Bei Abriss, Aufstand…
Sonnabend, 31.07.2010

Unter massivem Protest begannen am Abend des 30. Juli die Abrissarbeiten des Stuttgarter Hauptbahnhofs durch die Firma Wolff&Müller. Gegen 21 Uhr versammelten sich wütende GegnerInnen des Milliardenprojektes„Stuttgart 21“ vor dem Kopfbahnhof. Seither wurden mehrere spontane Demonstrationen in der Landeshauptstadt durchgeführt, an denen sich bis über 2.000 Menschen beteiligten. Dabei kam es zu handfesten Auseinandersetzungen mit den überforderten Stuttgarter Bullen. Am Nachmittag des 31. Juli besetzten rund 250 AktivistInnen das Rathaus. Am 1. August ist für 19 Uhr eine weitere Demo geplant. Am 2. August soll um 7 Uhr und um 18 Uhr demonstriert werden… A guats Gwissa, kommt bloaß vom schlechta Gedächdnis.
100 Nächte AZ Köln — Savor schikaniert
Sonnabend, 31.07.2010

Obwohl die BesetzerInnen des Autonomen Zentrums Köln den formellen Eigentümern der Wiersbergstraße 44 Nebenkosten zahlen, ließ die Savor GmbH, Tochterfirma der Sparkasse in der Adolf-Grimme-Allee 2, am Abend des 30. Juli den Strom des Gebäudes abstellen. Dazu kommt, dass für die kommende Woche Bauarbeiten angekündigt wurden, bei denen die Wasserversorgung unterbrochen werden soll. Ungeachtet dieser Eskalation wird der Betrieb fortgeführt. Am 31. Juli steigt die 100-tägige AZ-Feier mit Humppa-Humppa-Balkan Rock und Dubstep-Jungle vom feinsten. Sparkasse wegbassen — AZ bleibt!
Bisher: 1 2 3 4 5 6 7 8
Proteste gegen das Stuttgarter Gelöbnis
Freitag, 30.07.2010

Lautstarke Proteste begleiteten das Bundeswehr-Gelöbnis in der St-Eberhardskirche und an den Stuttgarter Schlössern am 30. Juli. Auf linksunten.indymedia.org gibt es einen liveticker (en | fr | es) zum dortigen Geschehen. Etwa 1.000 Leute beteiligten sich laut DFG-VK an der größten Gegenkundgebung. DemonstrantInnen blockierten die Gelöbniskirche und errichteten Barrikaden auf Zufahrtswegen des Militärs. Bundeswehr-Fahrzeuge wurden angegriffen und Krähenfüße ausgelegt. Die Bullen gingen massiv gegen DemonstrantInnen vor und nahmen dutzende in Gewahrsam. Von der Aktionssambaband konfiszierten die Cops die Instrumente, die SpielerInnen wurden vorläufig festgenommen. Das Gelöbnis konnte dennoch lautstark gestört werden…
Eine gute Handvoll öffentliches Interesse
Donnerstag, 29.07.2010

Die Besetzung des ehemaligen „Z“ durch die Initiative Epsilon wurde nach einem Ultimatum der Stadt „freiwillig“ mit einer Spontandemo durch die Innenstadt beendet. Am Samstag, den 31. Juli, beginnt um 16 Uhr am Siegesdenkmal eine Spontandemonstration für ein selbstverwaltetes und unkommerzielles Jugendzentrum in der Innenstadt.
Presse: 1 2 3 4
Autonomes Jugendzentrum besetzt
Donnerstag, 29.07.2010

In der Nacht auf den 29. Juli haben Jugendliche das ehemalige Jugendzentrum Z am Ende der KaJo besetzt. Freiburg braucht ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in der Innenstadt und die Jugendlichen haben es sich genommen. Alles für alle!
PDF: Erklärung | Kochrezept
Web: Blog | Twitter
Selten so hässliche Plakate gesehen
Donnerstag, 29.07.2010

Wolfgang Grunwald wurde vom Landgericht Freiburg wegen Volksverhetzung in zweiter Instanz schuldig gesprochen. Grunwald wurde aufgrund antifaschistischer Recherchen, Fotos und Aktionen zu 180 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt. Das Amtsgericht Staufen hatte ihn am 30. Juli 2009 in erster Instanz noch freigesprochen. Vertreten wurde Grunwald durch die Rechtsanwältin Nicole Schneiders aus der Kanzlei des Rastatter Nazianwalts Klaus Harsch. Zu Wolfgang Grunwalds Fans zählt auch der verhinderte Bombenleger Thomas Baumann, der sich in einer privaten Nachricht auf thiazi.net bei Grunwald einschleimte: „Die Plakate gefallen mir sehr gut. Ich werde mir mal alle ansehen.“ Der Gebauchpinselte bedankte sich und empfahl: „H! Thomas! […] Was die Plakate angeht, ist gerade unter Schulungsgesichtspunkten das eine Idee, diese zu nutzen.“
„Kameradschaft Südsturm Baden“ geoutet
Mittwoch, 28.07.2010

Die „Kameradschaft Südsturm Baden“ wurde am 28. Juli auf einem antifaschistischen Blog und auf linksunten enttarnt. Just am gleichen Tag wurde der Platz, den die „Kameradschaft“ für ihr Zeltlager am kommenden Wochenende auserkoren hatte, unbrauchbar gemacht. Auch Thomas Baumann und Christoph Bauer nahmen an der Veranstaltung mit dem Nazihetzer Jürgen Schwab am 27.09.2008 in „dem bekannten Kaiserstuhl-Lokal“ Krone in Nimburg teil: „Servus. habe gestern abend wohl vor lauter "Sturm und Drang" meine Boxhandschuhe in der Beitz vergessen. Wäre sehr kameradschaftlich wenn du sie an dich nehmen würdest und mir beim nächsten treffen geben könntest. Mit besten Kampfesgrüssen Thomas“
„Frankentag“ konspirativ
Mittwoch, 28.07.2010

Am 31. Juli soll der dritte „Frankentag“ stattfinden, den Ort versuchten die Naziorganisatoren des „Freien Netz Süd“ geheimzuhalten. Das Rechtsrockspektakel soll jedoch wie schon letztes Jahr auf einer Wiese bei Obertrubach-Geschwand im bayerischen Landkreis Forchheim stattfinden.
Gelernte Hetzerin
Dienstag, 27.07.2010

Die Möchtegern-Mutterkreuzlerin Eva Herrmann hat sich mit ihrem Kommentar zu den 19 Toten auf der Love Parade in Duisburg wieder einmal als christliche Fundamentalistin profiliert: „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!“
Stuttgart besetzt, Stuttgart räumt
Montag, 26.07.2010

In Stuttgart wurde am 24. Juli das Haus in der Gablenberger Hauptstraße 98 besetzt am 25. Juli von den Bullen geräumt. Am 25. Juli wurde die St. Eberhard-Kirche in der Stuttgarter Innenstadt besetzt und kurz darauf ebenfalls geräumt. Aus Protest gegen das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ wurde am 26. Juli der Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs besetzt und kurze Zeit später wieder durch die Bullen geräumt.
Gelöbnis-Kirche besetzt
Sonntag, 25.07.2010

In Stuttgart wurde am 25. Juli die St. Eberhard-Kirche auf der Königstraße in der Stuttgarter Innenstadt besetzt, wo am 30. Juli der Gottesdienst vor dem Bundeswehr-Gelöbnis stattfinden soll. Indymedia linksunten wird die Proteste mit einem Gelöbnix-Ticker unterstützen. Auf Anweisung von Dompfarrer und Stadtdekan Prälat Michael H.F. Brock wurden die BesetzerInnen nach einer Stunde von den Bullen geräumt. Nieder mit Kirche und Militär!
Provinzielle Regenten und Schikaneure
Sonnabend, 24.07.2010

Mit der so genannten Lex Caipi will die Freiburger Stadtverwaltung ein Verbot von alkoholischen Cocktails bei öffentlichen Festlichkeiten durchsetzen. Ob Kirchbach, Neideck, Salomon — nieder mit der Prohibition!
Naziangriff auf Forster-Begegnungszentrum
Sonnabend, 24.07.2010

Am Morgen des 15. Juli griffen bis zu 20 vermummte Nazis in Forst in der Niederlausitz das Kultur- und Begegnungszentrum „Park7“ an. KeineR der anwesenden Linken wurde verletzt, es entstand geringfügiger Sachschaden. Kein Fußbreit den Nazis!
Stille Besetzung geräumt
Sonnabend, 24.07.2010

Am Morgen des 24. Juli wurde das still besetzte Haus in der Goethstraße 43 in der Wiehre von den Bullen geräumt.
Wohnraum ist genug da
Freitag, 23.07.2010

Rund 70 Autonome haben am 22. Juli die Häuser in der Günterstalstraße 28 und 30 symbolisch besetzt. Die Besetzung fand statt im Rahmen der Freiraumkampagne „Plätze. Häuser. Alles.“ und wird nicht die letzte gewesen sein.
Tout le pouvoir aux communes !
Freitag, 23.07.2010

Auf Indymedia linksunten wurde das Buch « L’insurrection qui vient » des « comité invisible » unter dem Namen „Der kommende Aufstand“ (PDF) veröffentlicht: „Ein Aufstand, wir können uns nicht mal mehr vorstellen, wo er beginnt. Sechzig Jahre der Befriedung, ausgesetzter historischer Umwälzungen, sechzig Jahre demokratischer Anästhesie und Verwaltung der Ereignisse haben in uns eine gewisse abrupte Wahrnehmung des Realen geschwächt, den parteilichen Sinn für den laufenden Krieg. Es ist diese Wahrnehmung, die wir wiedererlangen müssen, um zu beginnen.“
Auf der Suche nach der verlorenen Anonymität
Donnerstag, 22.07.2010

Die Nationalsozialistin Sabine Rasch hat den AK Antifa Mannheim wegen eines offenen Briefes an den Gesamtelternbeirat Mannheim durch Martin Kuhr von der Kanzlei RESMEDIA verklagt. Wir nennen euch alle beim Namen…
Neuer PGP-Key
Donnerstag, 22.07.2010

Wir haben routinemäßig unseren PGP-Key gewechselt. Bitte benutzt den neuen Key, wenn ihr zu uns Kontakt aufnehmen wollt:
freiburg at autonome-antifa dot org
OpenPGP: 0xBEECC849
yours, daten-antifa
Mittwoch, 21.07.2010

Der Betreiber der Seite anti-antifa-ludwigsburg wurde auf linksunten identifiziert: Florian Entenmann, Amselweg 2, 74395 Mundelsheim
Wieder Repression in Wien
Dienstag, 20.07.2010

In Wien gab es wieder Repression im Zuge der Ermittlungen wegen angezündeter Mülltonen beim Arbeitsamt AMS in der Reederergasse am 27. Juni. Eine Linke wurde verhaftet und eine Wohnung durchsucht. Damit befinden sich vier Personen in Haft.
Bombenattrappe vor AZ
Montag, 19.07.2010

In Aachen wurde eine Bombenattrappe vor die Tür des Autonomen Zentrums gelegt. Das Paket war „an die Antifa“ adressiert.
Vom Kampf gegen den „Abschaum“
Sonntag, 18.07.2010

Wegen versuchten Mordes wurden am 4. Juli in Pontoise nordwestlich von Paris die „Fünf von Villiers-le-Bel“ Abderhamane und Adama Kamara, Ibrahima Sow, Maka Kanté und Samuel Lambalamba zu 3 bis 15 Jahren Knast verurteilt. Ihnen wurde vorgeworfen am Rande der Unruhen von November 2007 auf Bullen geschossen zu haben. Die Hauptbelastungsindizien im Prozess waren „anonyme Hinweise aus der Bevölkerung“. Die Aufstände vom Herbst 2007 waren durch den Bullenmord an den Jugendlichen Moushin und Larami ausgelöst worden. Nun geht die Propaganda gegen den „Abschaum aus den Vorstädten“ weiter… Pas de justice à Pontoise, pas de paix dans les quartiers!
Grenoble en flammes
Sonnabend, 17.07.2010

Karim Boudouda wurde in der Nacht auf 16. Juli von Bullen in Grenoble „auf der Flucht erschossen“. Erst die Riots der BewohnerInnen der Banlieue in der nächsten Nacht haben den Mord an dem 27-jährigen in die Öffentlichkeit gerückt. Sowohl die Protestierenden als auch die Bullen setzten Schusswaffen ein. Kein Mord ohne Vergeltung!
Razzia im Münchner Buchladen
Freitag, 16.07.2010

Wie am 13. Juli in Berlin wurde am 16. Juli der Infoladen München im Kafe Marat wegen der Interim und der Radikal von Bullen durchsucht.
In der Presse
Donnerstag, 15.07.2010

SWR3 hat über unser letztes Antifa-Communiqué berichtet. Die Stuttgarter Zeitung und die Badische Zeitung haben Artikel zur unserem Antirep-Communiqué und zur Kleinen Anfrage (PDF) und Pressemitteilung (PDF) der Grünen Landtagsabgeordneten Edith Sitzmann veröffentlicht.
Razzien in Berliner Buchläden
Donnerstag, 15.07.2010

In Berlin gab es am 13. Juli wie bereits im April mehrere Durchsuchungen. Die Razzien richteten sich gegen mehrere linke Läden in Kreuzberg und Prenzlauer Berg. Insgesamt wurden 134 Exemplare der Interim sowie Computer beschlagnahmt. Betroffen waren der Red Stuff in der Waldemarstraße, das M99 in der Manteuffelstraße, die beiden Schwarze Risse-Buchläden im Mehringhof in Kreuzberg und in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg sowie das oh*21 in der Oranienstraße.
Presse: 1 2 3
Nazikneipe in Burgdorf geschlossen
Donnerstag, 15.07.2010

Die „Royal Aces“ Tattoo Bar und Nazikneipe in Burgdorf bei Bern wurde von den Behörden nach antifaschistischer Recherche, Öffentlichkeitsarbeit und Angriffen geschlossen.
Indyartikel: 1 2 3 4
Bundeswehr an PH Freiburg
Mittwoch, 14.07.2010

Am Freitag, den 16. Juli, möchte ein Oberstleutnant der Bundeswehr im Rahmen eines Seminars zur Kooperation von Schule und Betrieb an der PH Freiburg referieren. Dabei sollte doch spätestens seit Hannover bekannt sein, dass uns Orte, an denen zivil-militärische Zusammenarbeit vorbereitet wird, brennend interessieren. Das Seminar soll am Freitag von 12 Uhr - 14 Uhr im KA 101 der PH stattfinden.
Kein Raum der Bundeswehr am 16. Juli in Freiburg und am 30. Juli in Stuttgart!
Grenzen stoppen Flucht…
Mittwoch, 14.07.2010

Am 13. Juli machte Aktion Bleiberecht wieder auf die monatliche Deportation von Flüchtlingen aufmerksam. Um die Mittagszeit färbte sich das Wasser der Freiburger „Bächle“ rot und es wurde vom Münsterturm aus gegen die rassistische Abschiebestruktur geflyert. Diese Aktion schließt an eine Reihe weiterer Aktionen an, die seit Dezember 2009 zur Verteidigung der Flüchtlinge gelaufen sind: 1 2 3 4 5
…vor dem Leid, das sie erzeugen!
No Border, No Nation, Stop Deportation
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Indymedia linksunten: Presse 2008

don’t hate the media, become the media

09.05.2008 Neues Deutschland: Spaltung auf Schwäbisch
20.05.2008tageszeitung: Zoff bei Indymedia
03.06.2008junge Welt: »Wir wollen ein lebendiges Netzwerk bilden«
11.09.2008Jungle World: »Mir schwätze halt so«
31.10.2008Stattzeitung: Regional statt national
07.01.2009Badische Zeitung: Ein Medien-Ableger kommt von links unten

ND | taz | jW | JW | STZT | BZ

Außer Parlamentarisches

Spaltung auf Schwäbisch

Für Südwestdeutschland soll ein eigenständiges Indymedia entstehen

Von Lorenz Matzat

In zwei Wochen soll in Freiburg das erste regionale unabhängige Medienzentrum gegründet werden. Umstritten ist, ob es sich um eine Abspaltung vom bestehenden Online-Nachrichtenportal Indymedia oder um einen selbstverständlichen Akt der Dezentralisierung handelt.

»Mir wollet en Prozess z’r Gründong vo a neue IMC em Südweschde bginne.« Selbst ins Schwäbische haben die Aktivisten ihren Aufruf übersetzt — neben Sprachen wie Englisch, Spanisch, Türkisch und Schweizerdeutsch. Ein gewisser Enthusiasmus scheint dem Vorhaben also innezuwohnen, ein regionales unabhängiges Mediencenter (IMC) für Südwestdeutschland aufzubauen. Vom 23. bis 25. Mai will man sich dafür »linksunten« auf der Landkarte in Freiburg treffen.

Seit dem WTO-Gipfel 1999 in Seattle, als das erste IMC online ging, sind weltweit fast 180 nationale und regionale Nachrichtenportale dieser Art im Internet zu finden, vornehmlich in Nordamerika und Europa. In einer Selbstdarstellung des internationalen Verbundes heißt es, man wolle ein »kollektives Netzwerk von direkt veröffentlichten Nachrichten« sein, »die radikal und unzensiert die Wahrheit wiedergeben«. Während beispielsweise in den USA rund 60 regionale IMC tätig sind, gibt es in Deutschland seit 2001 nur eines.

Der Vorbereitungskreis des Freiburger Treffens beschreibt die geplante Gründung von linksunten.indymedia.org als »Bildung eines weiteren Knotenpunkts innerhalb des Netzwerkes«. »In unseren Augen war und ist Indymedia schon immer ein globales Netzwerk an unabhängigen Medienzentren, dessen Organisationsphilosophie auf Dezentralisierung, Autonomie und Solidarität beruht«, heißt es von dieser Seite. Im deutschlandweiten Indymedia gingen »lokale Ereignisse häufig in der Flut an Informationen unter«. So handele es sich bei der »Dezentralisierung« nicht um eine »Schwächung oder Spaltung«, sondern um eine Verdichtung des Netzwerks.

Zuvor hatte es allerdings Streit gegeben. Das Freiburger Moderationskollektiv war im Frühjahr aus dem bundesweiten Zusammenhang ausgeschlossen worden. Die Betreuung der Indymedia-Website geschieht durch mehrere Kollektive, die reihum die eingehenden Beiträge, die jeder Besucher der Website anonym erstellen kann, moderieren. Sie entscheiden beispielsweise, ob ein Artikel auf der Startseite des Internetportals erscheint oder welche Kommentare unter Beiträgen als irrelevant markiert werden.

Der Ausschluss der Freiburger Gruppe findet zwar Erwähnung im Gründungsaufruf, wird aber nicht weiter erläutert. Zentraler Streitpunkt war wohl der Schutz des bundesweiten Indymedia-Projekts vor staatlicher Repression. Dem maßen die verbleibenden Moderationskollektive höheren Stellenwert bei, als eine mögliche strafrechtliche Verfolgung zu riskieren, etwa durch die Veröffentlichung von Bildern und personenbezogenen Daten von Neonazis auf der Plattform.

Seitens der Vorbereitungsgruppe wird auf die »Principles of Unity« verwiesen, quasi die internationale Satzung, unter der alle IMC operieren. Dort ist zu lesen, dass es keinen »zentral gesteuerten, bürokratischen Prozess« geben solle, sondern die »Selbstorganisation einzelner autonomer Kollektive« zentrale Bedeutung habe. Dementgegen kämen Auseinandersetzungen über »informelle Hierarchien« und »Machtkonzentration« den süddeutschen Medienaktivisten zufolge in der bundesweiten Struktur »bislang zu kurz«.

Der Start eines regionalen IMC dürfte auf das bundesweite Indymedia kaum Auswirkungen haben. Wie bisher werden Teile der lokalen Berichterstattung auch dort einen Platz haben. Schwieriger wird es für die Aktivisten »linksunten«. Gibt es überhaupt eine Leserschaft und Autoren in der Region? Kann man langfristig den nötigen organisatorischen Aufwand leisten? Ein ähnlicher Versuch für Nordrhein-Westfalen liegt seit letztem Jahr auf Eis.

www.autonome-antifa.org/imc
de.indymedia.org

Quelle: Neues Deutschland vom Freitag, 9. Mai 2008


ND | taz | jW | JW | STZT | BZ

Zoff bei Indymedia

Von Max Hägler

Freiburger AktivistInnen werfen dem linken Mediennetzwerk vor, zu wenig aktiv zu sein — und planen einen regionalen Südwest-Ableger.

„Don’t hate the media — become the media“: Was beim G8-Gipfel in Köln 1999 das Gründungsmotto der inzwischen weltumspannenden linken Nachrichtenseite indymedia.org war, beherzigen auch linke Nachrichtenaktivisten aus dem Freiburger Raum. Sie bauen derzeit unter dem Namen „linksunten“ ein regionales Indymedia, oder genauer „Independent Media Center“ (IMC), für Südwestdeutschland auf. Vom 23. bis 25. Mai gibt es ein Gründungstreffen im Autonomen Zentrum Freiburg.

Was auf den ersten Blick als leichtes Unterfangen wirkt, wird in der schnöden Realität komplizierter — und politisch. Denn auch das „Grassroots“-Projekt Indymedia ist nicht so basisdemokratisch, wie es sich der unbedarfte Nutzer vorstellt. Oder wie es sich die „linksunten“-Aktivisten erhoffen. Auch auf Indymedia wird moderiert, entscheiden „Moderatorenkollektive“ über prominente Platzierungen auf der Startseite des deutschen Web-Angebots.

Zudem beklagen einige aus der „linksunten“-Gruppe, das bestehende deutsche Indymedia-Netzwerk sei zu wenig aktiv: Es müsse mehr Mut zeigen, etwa bei der namentlichen Anprangerung von Neonazis. Und schließlich wurden im Frühjahr die Freiburger vom Moderatorenkollektiv ausgeschlossen. Die Gründe dafür sind schwer zu recherchieren, zu vage ist die Gesprächsmöglichkeit mit den Machern des bestehenden „gesamtdeutschen“ Indymedia-Netzwerks und mit den Leuten von „linksunten“. Denn kommuniziert wird ausschließlich über Mailinglisten samt Aliasnamen.

Die Freiburger verweisen nun auf die USA, Italien oder Großbritannien, wo es schon seit langem regionale IMCs gibt, während die deutsche Nachrichten derzeit „zentralistisch“ organisiert werden. Ein Regionalprojekt in Nordrhein-Westfalen war schon mal gescheitert, „linksunten“ ist ein neuer Anlauf, der diesmal zugleich auch eine starke „Offline“-Anbindung zu den Menschen vor Ort schaffen will.

Gewarnt wird innerhalb der Gruppe aber auch vor den Folgen einer Aufspaltung des deutschen Indymedia-Netzwerks: „Auch Dezentralisierung ist kein Wert an sich; die Gefahr besteht, dass man im Medienrauschen untergeht und eine schon bestehende Infrastruktur dupliziert wird.“

Quelle: die tageszeitung vom Dienstag, 20. Mai 2008


ND | taz | jW | JW | STZT | BZ

»Wir wollen ein lebendiges Netzwerk bilden«

In Freiburg wurde jetzt »Indymedia linksunten« als regionale Internet-Organisation für den Südwesten gegründet. Ein Gespräch mit Paula Bruss

Interview: Ralf Wurzbacher

Paula Bruss ist eine Medienaktivistin aus Baden-Württemberg. Sie nahm am Gründungstreffen von »Indymedia linksunten« in Freiburg teil.

Jüngst hat sich in Freiburg ein neues Independent Media Center (IMC) für Südwestdeutschland namens »Indymedia linksunten« gegründet. Wozu braucht es einen regionalen Ableger des bundesweiten Indymedia-Netzwerkes?

Unser Ziel ist es, Bewegungen im Südwesten zu stärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre lokalen Kämpfe in einen globalen Zusammenhang zu setzen. Wir wollen eine lokale Verankerung erreichen und direkten Kontakt zu Indymedia ermöglichen. Ein regionales IMC bietet zudem einen leichteren Zugang zu lokalen Informationen als ein deutschlandweites IMC.

Wer steht hinter dem Projekt?

Auf dem Gründungstreffen waren 30 Leute aus verschiedenen Städten Südwestdeutschlands anwesend, einige weitere wollen zu den nächsten Treffen kommen. Wir sind Linksradikale aus libertären und antikapitalistischen Bewegungen und zum Teil in autonomen Gruppen organisiert. Indymedia ist ein offenes Medium, das von der aktiven Beteiligung seiner Nutzerinnen und Nutzer lebt. Wir wollen dazu beitragen, ein lebendiges Netzwerk zu bilden und durch den Austausch von Fähigkeiten Medienaktivismus von links unten zu fördern. Wir freuen uns über weitere Beteiligung.

Es gab Spekulationen, wonach linksunten eine Abspaltung von de.indymedia.org ist, weil ihnen deren Kurs nicht passe. Was hat es damit auf sich?

Indymedia versteht sich als Netzwerk mit möglichst vielen Knotenpunkten. In diesem Sinne wollen wir auch keine Konkurrenz zu bestehenden IMCs sein, sondern freuen uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit den anderen über 180 Projekten weltweit. Der politische Kurs von linksunten wird von denjenigen bestimmt werden, die Artikel schreiben. Das Moderationskollektiv stellt lediglich die Plattform für die sozialen Gruppen zur Verfügung: von den Bewegungen für die Bewegungen.

Aber ausgerechnet das Freiburger Moderationskollektiv von Indymedia Deutschland ist im Frühjahr aus dem bundesweiten Zusammenhang ausgeschlossen worden. Ist das kein Hinweis darauf, daß es zwischen linksunten und dem großen Bruder kriselt?

Der große Bruder ist noch immer der Staat — de.indymedia.org aber ist ein befreundetes Projekt auf Augenhöhe. Die Differenzen der letzten Monate und der Ausschluß stehen einer konstruktiven Zusammenarbeit der beiden Projekte aus unserer Sicht nicht im Weg, und auch de.indymedia.org hat unser Gründungstreffen wochenlang auf der Startseite angekündigt. Abgesehen davon ist etwa Berlin weiter von linksunten entfernt als beispielsweise die Schweiz. Mit dem dortigen Indykollektiv arbeiten wir bereits zusammen.

Eine »Spaltung auf Schwäbisch«, wie unlängst Neues Deutschland schrieb, steht also nicht an?

Wieso betonen bisher alle kommerziellen Medien so sehr die Differenzen? In den Grundsätzen des Indymedia-Netzwerks heißt es: Indymedia »basiert auf den Prinzipien der Egalität, der Dezentralisierung und der lokalen Selbstbestimmung«. Wir wollen diese Prinzipien umsetzen und eine Alternative zu dem sein, was Noam Chomsky »massenmediale Konsensfabrik« nennt. Wir wollen eine Möglichkeit bieten, Informationen von links unten zu verbreiten: direkt und unkontrolliert.

Die tageszeitung mutmaßte, Ihnen gingen die inhaltlichen Eingriffe der Moderatoren bei Indymedia zu weit …

Auch bei linksunten wird es Modera­tionskriterien geben, die jedoch im Moment noch diskutiert werden. Aber wir werden nicht nur moderieren, sondern auch zensieren, denn Nazis wollen wir zum Beispiel keine Plattform bieten. Aber uns ist es sehr wichtig, daß transparent und nachvollziehbar moderiert wird.

Wird linksunten mit einer eigenen Internetpräsenz auftreten?

Wir haben den Organisationsprozeß begonnen und wollen unter linksunten.indymedia.org eine eigene Website aufbauen. Wir basteln gerade an einer Testseite und diskutieren inhaltlich auf regelmäßigen Treffen an verschiedenen Orten im Südwesten sowie über Mailinglisten und Chats. Die Ergebnisse fassen wir in einem öffentlichen Wiki unter autonome-antifa.org/imc zusammen. Die Zukunft des deutschsprachigen Indymedias liegt in der Syndication — wie synde.indymedia.org — also der Zusammenfassung aller Inhalte auf einer Website.

autonome-antifa.org/imc
de.indymedia.org

Quelle: junge Welt vom Freitag, 3. Juni 2008


ND | taz | jW | JW | STZT | BZ

»Mir schwätze halt so«

In der vorigen Woche wurde »Indymedia links­unten«, ein eigenes Independent Media Centre (IMC) für Südwest­deutschland, in das weltweite Indymedia-Netzwerk auf­genommen. Noch vor Jahresende soll die Website linksunten.indymedia.org online gehen. Johanna Alleman* hat Indymedia linksunten mitgegründet.

small talk von Markus Ströhlein

Es gibt schon eine deutsche Indymedia-Seite. Weshalb ist eine zweite nötig?

Es gibt sogar schon drei deutschsprachige Independent Media Centres: IMC Deutschland, IMC Österreich und IMC Schweiz. Die weitere Dezentralisierung erscheint uns notwendig, um lokale Bewegungen zu stärken.

Aber bisher konnten doch auch Menschen aus allen Regionen Texte auf Indymedia veröffentlichen.

Eine lokale Verankerung soll dazu beitragen, ein lebendiges Netzwerk zu bilden und Indymedia den lokalen Bedürfnissen anzupassen. Wir wollen zum Beispiel die Proteste gegen den 60. Nato-Gipfel am 3. und 4. April 2009 in Strasbourg und Kehl mit einem Medienzentrum unterstützen.

Handelt es sich nicht um eine Provinzialisierung, in deren Folge jemand aus Hamburg am Ende gar nicht mehr erfährt, was im Süden abläuft?

Im Gegenteil lassen sich Kämpfe vor Ort durch eine übersichtliche, regionale Berichterstattung besser wahrnehmen, verstehen und kennenlernen. Durch Syndizierung, also eine automatisierte Zusammenstellung von Inhalten verschiedener IMC, wird zudem ein gemeinsames deutschsprachiges Indymedia-Portal wie synde.indymedia.org ermöglicht.

Die Einladung zu einem ersten Vorbereitungstreffen war auch auf Schwäbisch abgefasst. Wird sich Indymedia linksunten der Dialektpflege widmen?

Mir schwätze halt so, wie uns de Schnawel gwachse isch. Außerdem ist uns der Abbau struktureller Hürden sehr wichtig und dazu gehört auch die Übersetzung von Texten nicht nur auf Indy­media linksunten.

*Name von der Redaktion geändert

Quelle: Jungle World vom Donnerstag, 11. September 2008


ND | taz | jW | JW | STZT | BZ

Regional statt national — Interview mit Indymedia linksunten

Seit einiger Zeit laufen die Planungen, mit einem regionalen Independent Media Centre (Indymedia) „linksunten“ online zu gehen (stattweb berichtete). Wir befragten das Kollektiv zu ihren Motivationen und Zielen.

STZT: Neben den deutschsprachigen Independent Media Centres (Deutschland, Schweiz, Österreich) soll am Ende des Jahres auch Indymedia linksunten online gehen. Was erhofft ihr euch durch diese Dezentralisierung?

Durch die Dezentralisierung soll die Einbindung regionaler Bewegungen erleichtert werden. Wir erhoffen uns einen besseren Austausch und weniger Missverständnisse aufgrund virtueller Kommunikation durch regelmäßige Treffen und vis-à-vis Kommunikation. Durch persönlichen Kontakt ist es für Linke leichter als MedienaktivistInnen aktiv zu werden. Dezentrale Strukturen schaffen Verlässlichkeit durch Redundanz, denn mehr Knotenpunkte erschweren Angriffe auf das Indymedia-Netz als Ganzes. Indymedia linksunten will in einem grenzüberschreitenden Bezugsrahmen agieren. Der Fokus soll auf regionalen Themen, aber auch Großereignissen wie dem NATO-Gipfel in Strasbourg und Baden-Baden liegen, zu dem international mobilisiert wird.

STZT: Teile von euch wurden Anfang des Jahres vom IMC Deutschland aus dem ModeratorInnen-Kollektiv ausgeschlossen. Was war damals vorgefallen?

Wir haben uns dagegen entschieden, den damaligen Konflikt mit den anderen ModeratorInnen von de.indymedia.org in der Öffentlichkeit auszubreiten.

STZT: Inwieweit überschneiden sich eure politischen Vorstellungen — was präferiert ihr, was lehnt ihr ab?

Wir sind in verschiedenen autonomen Projekten aktiv, wollen Staat und Nation abschaffen und den Kapitalismus überwinden. Indymedia linksunten versteht sich jedoch als strömungsübergreifendes Projekt: Die NutzerInnen bestimmen die Inhalte. Wir wollen durch die Moderation antiemanzipatorische Inhalte ausschließen, aber keine politische Linie durchsetzen. Außerdem verstehen wir unter dem Projekt mehr als nur die Website, denn Medienaktivismus findet in erster Linie auf der Straße statt.

STZT: Wie erklärt ihr euch, dass Indymedia - einer eigentlich tollen Idee zur Brechung des Monopols bürgerlicher Medien - in letzter Zeit weniger durch gut recherchierte Beiträge als durch einem Übermaß von beliebigen Nachrichten und die Diskussionspöbeleien auffällt? Wie wollt Ihr diese Ausfallerscheinungen vermeiden und eine Qualitätssteigerung erreichen?

Es geht uns bei Indymedia linksunten nicht um einen Qualitätssteigerung gegenüber Indymedia Deutschland. Wir wollen als Teil des globalen Indymedia-Netzwerks eine Plattform für Bewegungen linksunten aufbauen. Regelmäßige offene Treffen des linksunten-Kollektivs sind ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit und direkte Kontakte zu AktivistInnen sind uns wichtig. Beides wird durch die regionale Verankerung ermöglicht. Wir wollen transparent moderieren und sind für Rückfragen im Chat erreichbar: https://chat.indymedia.org/?chans=linksunten.

Indymedia linksunten soll vor allem ein linkes Nachrichtenportal von unten sein. Wir haben jedoch bemerkt, dass es bei vielen NutzerInnen von Indymedia ein Bedürfnis nach mehr als nur "eigenen Berichten und selbst recherchierten Reportagen" gibt. Deshalb bieten wir neben dem Newswire auch Raum für Termine und ein Pressearchiv. Ähnlich wie Indymedia Deutschland wollen wir herausragende Artikel längere Zeit auf der Startseite platzieren. Sie werden im Kaleidoskop in der linken Spalte ähnlich dem Newswire in der rechten Spalte angezeigt. Es wird eine dynamische und flexible Mittelspalte mit guten Artikeln aus dem Newswire geben. Wie bei Indymedia üblich können Artikel ergänzt und kommentiert werden. Von den Kommentaren werden standardmäßig erst einmal nur die Titel angezeigt. Erfahrungsgemäß besteht bei vielen Indymedia-Artikeln Diskussionsbedarf. Zur Übersichtlichkeit wollen wir die Diskussionsstränge in einer Baumstruktur darstellen. Außerdem werden wir uns um eine zeitnahe Moderation bemühen, um Spam- und Troll-Posting zu verstecken.

Mit den Autonomen Medienkollektiven hat sich der Ansatz verbreitet, kontinuierlich und kollektiv linksradikale Medienarbeit zu machen. Im Südwesten gibt es in Freiburg und im Rhein-Neckar-Raum Autonome Medienkollektive, die versuchen, gut recherchierte Hintergrundberichte zu verschiedenen Themen auch optisch ansprechend zu präsentieren und damit eine Qualitätssteigerung der Berichte auf Indymedia zu erreichen. Auch aus anderen Regionen wurden Medienkollektiv-Artikel auf Indymedia veröffentlicht und wir versuchen das Konzept durch praktische Zusammenarbeit mit MedienaktivistInnen weiter zu verbreiten. Indymedia linksunten will diese Art von Gruppenarbeiten durch die Bereitstellung interner Wikis technisch unterstützen. Dadurch werden Entwürfe möglich, also Artikel, die zeitlich in mehreren Phasen auf linksunten.indymedia.org geschrieben und nach Fertigstellung veröffentlicht werden können. Weitere technische Neuerungen wie HTML-Editoren und die bessere Einbindung von Multimedia-Inhalten werden ebenfalls bei Indymedia linksunten integriert sein.

STZT: Ähnliche Dezentralisierungsbemühungen gab und gibt es bei den IMCs in anderen Ländern. In Nordrhein-Westfalen ist ein solcher Versuch auch schon gescheitert. Wie steht ihr zur Gefahr der Provinzialisierung?

Den Begriff "Provinzialisierung" lehnen wir als städtezentristisch und ausgehend von einem politischen Zentrum ab, Regionalisierung hingegen befürworten wir. Indymedia ist als dezentrales Netzwerk angelegt, nationale IMCs sind eher aus der Not heraus entstanden. Auch bei de.indymedia.org wird seit der Entstehung über eine Dezentralisierung diskutiert. Wir sehen die Notwendigkeit regionale Informationen zu bündeln, was aber nicht an nationalstaatlichen Grenzen orientiert sein sollte. Technisch lässt sich das mittels Syndizierung umsetzen, wie es in der Schweiz, in den USA und in Italien bereits erfolgreich praktiziert wird.

STZT: Wie bewertet ihr das Projekt der Stattzeitung/Stattweb und wie könnte eine Zusammenarbeit nach euren Vorstellungen aussehen?

Die Bedeutung der Stattzeitung liegt in ihrer kontinuierlichen Berichterstattung, dem regionalen Fokus und dem strömungsübergreifenden Ansatz. Informationen werden einem breiten LeserInnenkreis auch offline zur Verfügung gestellt. Das Konzept der redaktionellen Betreuung unterscheidet sich jedoch vom OpenPosting bei Indymedia.

Zusammenarbeit auf praktischer Ebene können wir uns über den gegenseiten Austausch von Inhalten vorstellen: automatisiert via RSS-Feed oder manuell durch Posten von Artikeln. Besonders interessant fänden wir eine Zusammenarbeit im offline-Bereich. Wir könnten beispielsweise neben jedem Artikel einen Button "Zum Druck in der Stattzeitung vorschlagen" integrieren. Im Moment suchen wir noch nach einer Möglichkeit, Spenden für Indymedia linksunten entgegenzunehmen. Vielleicht könntet ihr uns da behilflich sein.

Die wichtigste Zusammenarbeit jedoch wird der solidarische Umgang miteinander sein, denn allein machen sie uns ein!

Autoren: Friedrich, Sebastian
Quelle: Stattzeitung vom Freitag, 31. Oktober 2008


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Ein Medien-Ableger kommt von links unten

In Freiburg entsteht eine zweite deutsche Indymedia-Version / Auch in basisdemokratischen Medien geht nichts ohne Kontrolle

Von unserer Mitarbeiterin Anja Bochtler

Kürzlich bei der Aufdeckung der Kontakte des Freiburger Journalisten Andreas Strittmatter zur Neonazi-Szene durch die Antifa (Antifaschisten) spielte das linke, überwiegend übers Internet aktive Mediennetzwerk Indymedia eine Rolle: Dort — in der Schweizer Indymedia-Version — war unter anderem das Video zu sehen, in dem Andreas Strittmatter mit seinem Hakenkreuz-Pullover auftritt. In Deutschland gab’s jahrelang bundesweit nur eine Indymedia-Version (de.indymedia.org). Seit Frühling entsteht in Freiburg eine zweite, die im Januar online gehen soll (linksunten.indymedia.org).

Bundesweit hat Indymedia seine Hoch-Zeiten bei Ereignissen wie dem G-8-Gipfel in Heiligendamm: Damals sei die Startseite 660 000 Mal aufgerufen worden, sagen Freiburger Indymedia-Aktivisten. Sie wollen mit ihrer neuen Version „Indymedia linksunten“ ein dezentraler Ableger für die Region „links unten“ auf der Landkarte sein, näher dran an politischen Bewegungen vor Ort. Nach der Gründung von „Indymedia linksunten“ mutmaßten linke Zeitungen wie die Junge Welt und die tageszeitung, die Freiburger unter den Indymedia-Moderatoren seien ausgeschlossen worden, weil sie uneins mit den anderen Moderatoren und deren Zensurkriterien gewesen seien. Auch in linken, auf Basisdemokratie pochenden Medien geht nichts ohne Kontrolle — erst recht im Internet, wo jeder mitmischen kann.

Darum sortieren Moderatoren Beiträge auch mal aus, zum Beispiel weil sie rechtsextrem sind. Die Freiburger wollen allerdings nichts zu den Konflikten sagen. Sie betonen die Gemeinsamkeiten zwischen dem bundesweiten Indymedia und ihrem Ableger: „Wir haben eine gemeinsame Philosophie und sind der lokale Ausdruck davon“, sagen zwei Männer Anfang 30, die anonym bleiben wollen — auch, um für „Feinde“ aus der rechten Szene unidentifizierbar zu bleiben.

Die zwei sind seit langem daheim im linken Spektrum Freiburgs: Als Filmemacher bei „Cinerebelde“ (übersetzt: „rebellisches Kino“), in der Freiburger Antifa-Szene, als Artikelschreiber fürs bundesweite Indymedia. Einer der beiden gehörte zu den Freiburgern, die im bundesweiten Moderatorenteam mitgearbeitet hatten und dort ausgeschlossen wurden. Die zwei Indymedia-Versionen sind miteinander verknüpft: Beide verweisen auf ihren Websites aufeinander, beide sind Mitglieder des globalen Indymedia-Netzwerks. Den Schritt weg von der zentralisierten Bundesebene fanden die Freiburger überfällig. In Großbritannien zum Beispiel habe sich Indymedia früh dezentralisiert. Und es gibt längst viele Indymedias: Seit 1999 in der internationalen globalisierungskritischen Bewegung alles anfing, hat sich die Idee, eine digitale Gegenöffentlichkeit in Abgrenzung zu etablierten Medien zu schaffen, auf sechs Kontinenten verbreitet. Die funktioniert nach Einschätzung der Freiburger umso besser, je stärker sie lokal verankert ist. Nicht nur, weil Colmar von Freiburg aus näher liegt als Berlin. Sie verstehen Indymedia als Bewegung von denen, die aktiv werden — und selbst darüber schreiben statt über sich schreiben zu lassen. Das alte linke Ideal einer eigenen Geschichtsschreibung: Gibt’s dafür in Freiburg nicht schon das Archiv für soziale Bewegungen und Radio Dreyeckland? Denen wollen die Indymedia-Aktivisten keine Konkurrenz machen, sondern sie — auf Internet-Ebene — ergänzen.

Bei der Gründung in der autonomen KTS seien rund 30 Aktive dauerhaft dabei gewesen, sagen die Freiburger. „Indymedia linksunten“ richtet sich an den gesamten Südwesten. Beim Nato-Gipfel im April soll es „Zentrum des Protests“ werden.

Quelle: Badische Zeitung vom Mittwoch, 7. Januar 2009


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8. Januar 2009 - DruckversionURL - Top