• Mittwoch, 01.07.2026

    Wie das Clubhaus des Fußballvereins Ettlingenweier und das Vereinsheim des Angelsportvereins Bietigheim beherbergte kürzlich auch die Gaststätte des Fußballclubs Denzlingen eine Naziveranstaltung, wie immer wusste niemand irgendwas.
    Die Badische Zeitung berichtet über eine Veranstaltung mit dem YouTuber Thomas Grabinger. Denzlingen war am 25. April 2026 eine der Stationen der lukrativen Deutschland-Tour des rechtsradikalen Propagandisten, der auf YouTube sein Geld als „Digitaler Chronist“ verdient:
    „Im Einbollenstüble gibt sich Grabinger zunächst harmlos. Keine persönlichen Beleidigungen, keine vulgären Ausdrücke. Er lobt die Sauberkeit auf den Straßen Südbadens. Doch dann raunt er von der Weltverschwörung und stellt zwei Fragen: ,Wie lange lassen wir uns noch ablenken? Wie lange lassen wir uns noch in dieser perfiden Versklavung halten?‘ Politiker wären Marionetten, die der Bevölkerung verheimlichten, dass längst ein Konzern die ganze Welt beherrsche. Welcher Konzern das sein soll, lässt Grabinger offen. Doch ihm ist klar: ,Wir werden betrogen und kontrolliert.‘ Das Publikum lauscht gebannt.“
    In der Vereinsgaststätte des FC Denzlingen wurde an dem Morgen dem Denzlinger Gemeinderat und SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Björn Reuter der Zutritt zu der antisemitischen Veranstaltung verwehrt. Das ist kein Zufall, denn Thomas Grabinger spendete der AfD bereits 2013 Geld über PayPal – also in ihrem Gründungsjahr. Thomas Grabinger wohnt in der Schliemannstraße 11 in 10437 Berlin.
    Angemeldet wurde die Veranstaltung von Marcus Höldin aus Denzlingen. Höldins Sohn ist Mitglied des Denzlinger Jugendgemeinderats, dessen Mutter Christine Höldin kandidierte bei Kommunalwahlen in Denzlingen mehrfach für die rechten Ökos der ÖDP. Der Fußballverein versuchte noch, die Naziveranstaltung kurzfristig abzusagen. Doch der Wirt Pietro Zienna weigerte sich, wie die BZ schreibt:
    „Dass Grabinger überhaupt beim FC Denzlingen auftreten konnte, hat mit dem Mann im roten Hemd zu tun, der sich das Ratsmitglied zu Beginn des Vortrags genauer anschauen wollte. Der Denzlinger hatte den Saal der Vereinsgaststätte reserviert, wie der Wirt Pietro Zienna berichtet. Dabei habe ihm der Mann, der regelmäßig zu Gast ist, nicht gesagt, dass Thomas Grabinger auftreten werde.“

  • Donnerstag, 02.07.2026

    Auf der „225. Sitzung der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder“ vom 17. bis 19. Juni 2026 in Hamburg wurden zwei Beschlüsse zum Thema „Linksextremismus“ gefällt: „TOP 34: Stärkung der Inneren Sicherheit durch effektive Bekämpfung linksextremistischer Strukturen“ und TOP 35: Weiterentwicklung der Möglichkeiten zur Bekämpfung des Linksextremismus sowie der Austauschformate der Sicherheitsbehörden.
    Der Text der Innenministerkonferenz (IMK) ist ideologisch aufgeladen: Er will nicht überzeugen, sondern Angst machen. So heißt es, dass „Linksextremismus [...] weiterhin eine hohe Bedrohung für die Gesellschaft und die freiheitliche demokratische Grundordnung als solche“ darstelle, und „der organisierte Linksextremismus in zunehmendem Maße auch zivilgesellschaftlich relevante Themen (u. a. Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Wehrpflicht) instrumentalisiert, um in breite gesellschaftliche Schichten vorzudringen und dabei immer jüngere Menschen, und insbesondere auch Schülerinnen und Schüler, zu erreichen.“
    Hat die Antiatom-Bewegung nicht für Klimaschutz demonstriert? War der autonome Häuserkampf kein Kampf für soziale Gerechtigkeit? Waren die Totalverweigerer keine Demonstranten gegen Wehrpflicht? Waren nicht schon immer Schülerinnen und Schüler in Autonomen Jugendzentren? Statt sich selbst solch offensichtliche Fragen zu stellen, begründen die AutorInnen mit ihren ziemlich schlechten Argumenten den aktuellen CDU/SPD-Koalitionsvertrag:
    „Vor diesem Hintergrund kommt der Verabredung im Koalitionsvertrag auf Bundesebene zur Erarbeitung einer Strategie zur konsequenten Verfolgung und Bekämpfung linksextremistisch motivierter Straftaten und Strukturen eine besondere Bedeutung zu.“
    Konkret ist neun Jahre nach dem Verbot von linksunten.indymedia.org nun de.indymedia.org das Ziel staatlicher Repression:
    „[Die IMK] bittet das BMI, alle rechtlichen Möglichkeiten für ein vollständiges Verbot des linksextremistischen Portals ,indymedia.org‘ zu prüfen und sich innerhalb der Bundesregierung für ein solches einzusetzen. Die IMK weist darauf hin, dass das Straf- und Gefahrenabwehrrecht bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Rechtsgrundlagen für ein entschiedenes Vorgehen gegen das Portal ,indymedia.org‘, insbesondere durch Beschlagnahmen der Webseiten, Löschungsaufforderungen gegenüber den Hosting-Providern sowie den Erlass von Netzsperren als ultima ratio bieten. Von diesen Möglichkeiten ist in der Vollzugspraxis konsequenter Gebrauch zu machen.“
    Außerdem fordert die IMK „Ein- und Ausreiseuntersagungen“ gegen „gewaltbereite[] (Links-)Extremisten“ und „den Informationsaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden zu intensivieren“ sowie „Maßnahmen zur Intensivierung des Informationsaustausches zu entwickeln und den Ländern entsprechende Vorschläge zu unterbreiten“.
    Nur ein Thema fand sich nicht unter den 80 Tagesordnungspunkten der Innenminister und -senatoren der Länder: Rechtsextremismus.

  • Freitag, 03.07.2026

    In der Nacht auf den 2. Juli 2026 haben Nazis in Cottbus Brandsätze auf das linke Hausprojekt „Zelle 79“ geworfen. Da „sich zur Tatzeit Personen in dem Haus aufhielten, ermittelt die Polizei zunächst wegen des Verdachts des versuchten Mordes, vorbehaltlich der konkreten Bewertung der Staatsanwaltschaft“, schreibt der Spiegel.
    „Zudem gab es womöglich einen weiteren Angriff auf den Jugendclub »Chekov« unweit des Wohnprojektes. Dort soll die Latte eines Zaunes leicht gebrannt haben. Es laufen Ermittlungen wegen des Verdachts versuchter Brandstiftung. Die Polizei hat sich zudem mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit gewandt.“
    Das Mietshäuser Syndikatsprojekt „Zelle 79“ bietet alternative (Jugend-)Kultur, Bildung und selbstverwaltetes Wohnen in der brandenburgischen Niederlausitz seit 1999. Das Zentrum in der Parzellenstraße entstand aus der Cottbuser Hausbesetzerszene und wurde in der Vergangenheit immer wieder zum Ziel von Naziangriffen. Auch 2025 gab es mehrere Angriffe, darunter am 24. Mai 2025 ebenfalls einen Brandanschlag.
    Vor Ort wird vermutet, dass der Angriff mit dem Beginn der CSD-Aktionswochen Ende Juni zum bevorstehenden CSD-Umzug am 11. Juli zusammenhängen könnte – an der „Zelle 79“ hängt eine Regenbogenfahne und ein queeres Banner: „Liebe Cottbusser*innen, wir gendern trotzdem!“
    Presse: Spiegel | rbb/Tagesschau | taz | t-online | Radio Cottbus |

  • Samstag, 04.07.2026

    Nach vier Wochen Besetzung folgte am 1. Juli 2026 um vier Uhr morgens die Räumung des Kulturzentrums ZACK („Zone Autonome Culturelle Klybeck“) auf dem Klybeck-Areal in Basel:
    „4 Wochen lang sind tausende Menschen im ZACK zusammengekommen und haben die Räume mit kreativen Ideen, Begegnungen, Alltag und der gelebten Freude über diesen Freiraum für Alle gefüllt.
    4 Wochen lang wurden hier Wünsche nach einem solidarischen und gemeinschaftlichen Miteinander gelebt und Momente des Wohlwollens geteilt. Inmitten von Alltagsstress, Geldsorgen, Lohnarbeit und einer von Individualisierung durchzechten Welt haben wir hier gemeinsam eine kleine Oase brennender Herzen erschaffen, welche der Stadt Basel offensichtlich fehlt! [...]
    4 Wochen lang wurde hier ein widerständiges Zeichen gesetzt gegen das Investitionsprojekt “Klybeck Plus” und gegen die Besitzerin SwissLife, die uns durch Aufwertung, steigende Mieten und Grundstückpreise aus unserem Quartier verdrängen.“

    Am Abend gab eine Spontandemo, über die 20 Minuten schrieb:
    „Raketen und Böller fliegen auf die Polizei, diese reagiert mit Wasserwerfern und Reizgas: Nach der Räumung des besetzten Chemie-Areals im Basler Klybeckareal eskalierte eine Demonstration am Mittwochabend völlig. Die Fassaden von Globus und einer UBS-Filiale wurden mit Farbbeuteln beworfen, Stühle flogen gegen die Starbucks‑Filiale. Bei der unbewilligten Demo von rund 450 Personen kam es zu massiven Sachbeschädigungen. [...] Auch das Basler Rathaus wurde beschmiert, samt wüster Beleidigung.“

  • Sonntag, 05.07.2026

    Papst Leo XIV., der aktuelle US-Papst mit dem bürgerlichen Namen Robert Francis Prevost, hat alle rund 600.000 AnhängerInnen der „Piusbrüder“ exkommuniziert, weil die das illegale Priesterweihen nicht lassen können. Prinzipiell läuft das mit den Schismatikern noch genauso wie damals mit den Häretikern und Ketzern, nur heute ohne die Scheiterhaufen der Katharer und die Käfige der Wiedertäufer. Dafür mit einem extrem passiv-aggressiven Abschiedsbrief des Papstes, geschrieben „mit väterlichem Herzen“ an den „Generaloberen“ der FSSPX:
    „In diesem Sinne und erfüllt von christlicher Liebe appelliere ich an Sie und bitte Sie von ganzem Herzen: Kehren Sie um! Ich bitte Sie eindringlich, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken, denn der schismatische Akt, den Sie im Begriff sind zu begehen, würde sie des erlaubten und in manchen Fällen sogar gültigen Empfangs der Sakramente berauben, die sie lieben und zu ihrer Heiligung erbitten.“
    Doch die päpstlichen Floskeln von der Offenheit „für einen Weg des Dialogs und des gegenseitigen Verständnisses“ und das reflexhafte „Ich bete für Sie“ kaschieren kaum die handfesten Konsequenzen für „den hochwürdigsten Davide Pagliarani“ und „die Bischöfe, Priester, Seminaristen und Gläubigen der Priesterbruderschaft St. Pius X“: Reputation, Macht und Finanzen der „Piusbrüder“ sind in Gefahr. Denn bisher ist die Priesterbruderschaft mit katholischen Institutionen eng verwoben.
    So wird beispielsweise bei der Studentenverbindung „KAV Lovania Löwen“ im belgischen Leuven noch immer die „Heilige Messe“ im Ritus von Papst Pius V. zelebriert: auf Latein, mit dem Rücken zum Publikum. Das ist kein Zufall, denn es bestehen enge Kontakte der Korporation zu Priestern der Piusbruderschaft, insbesondere zu dem Prioraat van de Priesterbroederschap Sint-Pius X in der Hemelstraat 21 in Antwerpen.
    Die belgische Verbindung mit offiziellem Freundschaftsstatus des „Cartellverbands“ seit 1897 ist nicht nur bekannt für ihre „Piusbrüder“, sie ist auch Teil des flämischen Nazimilieus. Mehrere „Alte Herren“ der „Lovania“ sind beispielsweise Mitglieder in der Nazipartei „Vlaams Belang“. Sie singen blasphemische Lieder wie das „Teufelslied“ der SS („SS marschiert in Feindesland“), in dem es heißt: „Wo wir sind da geht’s immer vorwärts. Und der Teufel der lacht nur dazu! Ha, ha, ha, ha, ha! Wir kämpfen für Deutschland! Wir kämpfen für Hitler! Der Rote kommt nie mehr zur Ruh’.“
    In Korpokreisen wird auch gerne die „Lovania“-Geschichte des „Schwarzen Cantus“ vom 29. Juni 2018 in Bonheiden erzählt, bei der „Lovanen“ offene Gotteslästerung betrieben. Anwesend waren unter anderem die „Vlaams Belang“-Nazibrüder Robin und Rien Vandenberghe, Gillis und Maarten De Troyer sowie Wouter Jambon, der Sohn des heutigen flämischen Vizeministerpräsidenten Jan Jambon von der „Nieuw-Vlaamse Alliantie“. An diesem Abend wurde aus Hitlers „Mein Kampf“ in dem Tonfall rezitiert, in dem der Priester das „Heilige Evangelium“ während der Messe singt.
    Presse: BBC | AP 1 | AP 2 | NYT | BILD

  • Montag, 06.07.2026

    In Erfurt protestierten am 4. Juli 2026 zwischen 30.000 und 40.000 Menschen gegen den Bundesparteitag der AfD in den Erfurter Messehallen. Die AfD-Delegierten übernachteten größtenteils direkt an der Messe oder wurden von der Polizei bereits mitten in der Nacht zum Tagungsort gebracht. Bereits um 5 Uhr morgens befanden sich 540 von 600 AfD-Delegierten auf dem Messegelände, so dass anders als bei vorherigen Protesten die Blockaden scheiterten – unter anderem wurde ein Teilstück der A71 blockiert.
    In den Tagungshallen ertönte ab und zu „Die dunkle Seite der Macht“, aber ansonsten konnte der Parteitag weitestgehend ungestört stattfinden. Björn Höckes Rede begeisterte die Nazis, Tino Chrupalla und Alice Weidel wurde als AfD-Vorsitzende wiedergewählt. Am Rande gab es kleinere Auseinandersetzungen mit der Polizei, einige Aktivisten des Nazimediums „Apollo News“ haben so richtig aufs Maul bekommen und die „Junge Freiheit“ wurde mit Flaschenwürfen bedacht.
    Presse: Tagesschau 1 | Tagesschau 2 | Tagesschau 3 | Tagesschau 4 | Spiegel 1 | Spiegel 2 | Tagesspiegel 1 | Tagesspiegel 2 | Tagesspiegel 3 | Guardian

  • Dienstag, 07.07.2026

    Die linksradikalen OpenPosting-Websites barrikade.info aus der Schweiz und paris-luttes.info aus Frankreich wurden am 15. Juni 2026 gehackt:
    „Zwischen Montag, dem 15. und Mittwoch, dem 17. Juni, ist es Hackern gelungen, die Sicherheit von zwei Websites des Mutu-Netzwerks, Barrikade und Paris-Luttes.info, zu kompromittieren und so in den Server einzudringen, auf dem sie gehostet werden.“
    Die Hacker installierten auf dem Server des Mutu-Netzwerks eine Webshell. Sie hatten offenbar Zugriff auf den Source Code beider Websites und konnten die Datenbanken samt Mailadressen und gehashten Passwörtern der User exfiltrieren. Einen ähnlichen Angriff auf Barrikade gab es im Oktober 2024.

  • Mittwoch, 08.07.2026

    Der rassistische und brutale Angriff auf den Taxifahrer beim „140. Stiftungsfest“ der „Burschenschaft Leder Leoben“ in der „Deutschen Burschenschaft“ vom 19. bis 21. Juni 2026 im österreichischen Leoben hat juristische Folgen für drei „Burschenschafter“. Sie hatten auf dem Rückweg vom Burschenfest „Sieg Heil!“ gerufen und waren dafür vom Taxifahrer rausgeworfen und angezeigt worden. Daraufhin schlugen die Naziburschen den Mann zusammen und würgten ihn, bis er fast bewusstlos war.
    Als Festredner war an dem Wochenende der deutsche AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich von den Burschen in die Steiermark eingeladen worden. Helferich wird nun doch nicht aus der Nazipartei ausgeschlossen – was mehr über die Partei als über den Nazi aussagt.
    Der Kurier schreibt: „Durch Fahndungsmaßnahmen noch in derselben Nacht konnten drei Tatverdächtige ausgeforscht werden. Bei den Männern im Alter zwischen 24 und 30 Jahren handelt es sich um die beiden deutschen Staatsbürger und Mitglieder der Identitären Bewegung, Yannick [Wagemann] und Uwe [Suchsland], sowie einen Mann mit einem auffälligen Schmiss. Gernot [Schmidt], Mitglied der Wiener Burschenschaft Olympia. Er scheint nicht nur im Rechtsextremismusbericht 2023 mehrmals auf. Am 29. Jänner 2023, dem Tag der NÖ-Landtagswahl, kletterte er mit Gleichgesinnten auf das Dach der ÖVP-Zentrale in St. Pölten, um Pyrotechnik zu zünden und Banner auszurollen. Die Botschaft: ,Politiker einsperren, Grenzen zusperren‘.“
    Tatsächlich hat Schmidt in St. Pölten fotografiert, aber auf dem Dach war er unseres Wissens nach nicht. Und nicht nur Gernot Schmidt ist Mitglied der „Wiener Burschenschaft Olympia“, auch die anderen beiden Schlägernazis Uwe Suchsland und Yannick Wagemann sind „Olympen“.
    Stoppt die Rechten schreibt: „[Yannick] Wagemann folgte zusammen mit Wieland Kubitschek auf Gernot [Schmidt] als Wiener Sprecher der Identitären nach. Uwe [Suchsland] ist nach Stoppt die Rechten vorliegenden Informationen derzeit Sprecher der Aktivitas der Olympia, also des aktiven Teils der Burschenschaft, und stammt wie Wagemann aus Deutschland. Er war bereits 2018 in einer Facebook-Gruppe des Björn Höcke zugerechneten ,Flügels‘ der AfD, also im damals innerparteilich noch umstrittenen rechtsradikalen Teil der AfD. Gernot [Schmidt] war bis vor wenigen Tagen parlamentarischer Mitarbeiter des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Michael Oberlechner.“
    Presse: Standard 1 | Standard 2 | Standard 3 | ORF 1 | ORF 2 | Krone | Kurier

  • Donnerstag, 09.07.2026

    Vom 6. bis 9. Juni 2026 fand im Bundestag das Planspiel „Jugend und Parlament“ statt. Die rund 270 jungen Erwachsenen zwischen 17 und 20 Jahren, die so für die parlamentarische Demokratie gewonnen werden sollen, werden von den im Bundestag vertretenen Fraktionen nominiert. Mangels AfD-Verbot auch von der AfD-Fraktion, welche dies als Einladung zur Sabotage verstanden hat.
    Am 7. Juni nahmen die Jungnazis ein Foto im Bundestagscafé auf und teilten es über AfD-Accounts im Internet. Auf dem Foto zeigt der Berliner AfDler Julian Pfeifer eine „White Power“-Geste – eine klare Provokation. Am Abend des 8. Juni haben sich dann auch noch zwei Jung-AfDler im Hotel geprügelt, wo sie gratis übernachten durften, woraufhin die Polizei ausrücken musste. Am 9. Juni wurde Julian Pfeifer per Mehrheitsbeschluss vom Jugendparlament ausgeschlossen.
    Presse: Rheinische Post | Spiegel | BR | Südkurier

  • Freitag, 10.07.2026

    Nachdem Ende Juni 2026 die „Piusbrüder“ als Sekte vom Papst aus der katholischen Kirche ausgeschlossen wurden, haben die Klerikalfaschisten mit einer Sonntagsrede reagiert. Die „Kanzelverkündigung“ vom 5. Juli schwankt zwischen Realitätsverweigerung („Wir haben kein Schisma begangen“) gepaart mit Schmollen („Die behauptete Exkommunikation ist ungerecht und ungültig“) und Schadensbegrenzung („Sie können bei uns weiterhin gültig beichten“) angereichert mit Zweckoptimismus („Standhaftigkeit ist unser Weg, nicht Verbitterung“). Wirklich katholisch, weil so schön irrational, ist die Begründung der „Piusbrüder“, warum sie im Widerspruch zur Unfehlbarkeit des Papstes keine Glaubensspaltung begangen haben wollen: „Ein Schisma setzt den Willen zur Spaltung voraus. Diesen Willen haben wir nicht.“
    Vielleicht ist es dieser unbedingte Wille zum unkritischen Ertragen auch härtester Widersprüche, der die reaktionäre Katholikenideologie so attraktiv für außerparlamentarische Nazis macht? Jedenfalls fand die Hochzeit von Vanesa und Dubravko Mandic am 21. Juni 2025 in der Kirche der Piusbrüder in der Kronenstraße 2 in 79365 Rheinhausen statt. Nachdem der Freiburger Nazi in der AfD, vor Gericht, als Gemeinderat, als Bursche und als Chorknabe scheiterte, spielt Mandic mittlerweile die Rolle eines provinziellen Mafia-Anwalts und verteidigt alles vom Nazi bis zum Vergewaltiger. Nun ist er also auch noch Anhänger einer Christensekte: ein Opportunist vor dem Herrn.
    Am 22. Mai 2026 heiratete auch der Vorsitzende der „Identitären Bewegung Deutschland“ im „alten Stil“: bei den „Petrusbrüdern“, einer anderen erzkatholischen Sekte mit guten Beziehungen zu Nazis. Die Hochzeit von Maximilian Märkl fand am 22. Mai 2026 in der Wallfahrtskirche St. Michael in Violau im Bistum Augsburg statt, wie die „Augsburger Allgemeinen“ berichtete:
    „Nach Informationen unserer Redaktion, die das Bistum direkt und Märkl auf X indirekt bestätigte, fand die Trauung nach ,altem‘ Ritus statt. Solche Trauungen sind selten – Paare müssen sich gezielt nach Geistlichen umsehen, die ihn beherrschen. In Violau nahm die Trauung nicht der zuständige Pfarrer vor, sondern ein Pater der Priesterbruderschaft St. Petrus, die dem Heiligen Stuhl in Rom und nicht dem Ortsbischof untersteht.“
    Neben zahlreichen IB-Fußvolknazis war auch Prominenz wie Martin Sellner und Franz Schmid in der Wallfahrtskirche und anschließend im Landgasthof Demharter in Zusmarshausen-Wörleschwang anwesend, was für die anschließend eingeleitete kirchenrechtliche Prüfung ausschlaggebend gewesen sein dürfte:
    „Der Fall löste sogar eine kirchenrechtliche Prüfung aus, in deren Zuge herauskam, dass das Bistum Augsburg in der Wallfahrtskirche Violau eigentlich keine Messen nach altem Ritus zulässt. Als Konsequenz braucht es künftig eine Erlaubnis des Generalvikars, der ,Nummer zwei‘ hinter dem Bischof, wenn in einer Kirche ausnahmsweise eine Messe nach altem Ritus gefeiert werden soll.“
    Am Ende haben die Nazis in Violau noch stereotyp den Kutscher geprellt. Kannste dir nicht ausdenken.
    Presse: AA1 (Archiv) | AA2 (Archiv) | AA3 (Archiv) | BR

  • Samstag, 11.07.2026

    Gegen die Nazigruppe „Letzte Verteidigungswelle“ läuft seit März ein Antiterror-Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamburg. Der MDR berichtete zur Prozesseröffnung:
    „Aufgrund des jungen Alters der Angeklagten wurde die Öffentlichkeit nach der Anklageverlegung bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen. Die Bundesanwaltschaft wirft den zum Teil noch minderjährigen Beschuldigten in der Anklage unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mord, Verabredung zum Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Verhandelt wird nach Jugendgerichtsgesetz.“
    Ende Juni wurden im thüringischen Landkreis Altenburger Land und in Gera zwei weitere Nazis als Unterstützer der „Letzten Verteidigungswelle“ verhaftet, denen die Bundesanwaltschaft unter anderem versuchten Mord vorwirft. Die beiden sollen versucht haben, eine Unterkunft für Geflüchtete im Januar 2025 im thüringischen Schmölln anzuzünden, wie die Tagesschau berichtet:
    „,Dazu schlug die Gruppe ein Fenster ein und versuchte, mit einer Feuerwerksbatterie entzündete Pyrotechnik in das Innere des Gebäudes zu schießen‘, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Ein Feuer sei aber nicht ausgebrochen.“

  • Sonntag, 12.07.2026

    Daniel Berntsson, einer der Gründer des VPN-Unternehmens Mullvad, hat im Oktober 2025 über fünf Millionen schwedische Kronen (umgerechnet mehr als 450.000 Euro) an die rechtsradikale Örebro-Partei gespendet. Die Lokalpartei verfolgt eine extrem restriktive Einwanderungspolitik und fordert zudem strikte Assimilation an die „schwedische Kultur“.
    In einer Antwort auf X versuchte sich das Unternehmen am 27. Juni 2026 in Schadensbegrenzung. Mullvads Werte wie „Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit und das Recht auf Privatsphäre“ seien in „den Gründern von Mullvad fest verankert“ und Mullvad schütze „das Recht, auch Meinungen zu äußern, denen wir nicht zustimmen“.
    Berntssons faschistische „Meinung“ wird ebenso zur Privatsache erklärt, wie seine faschistische Handlung: „Es sollte klar sein, dass Daniels private Spende an eine politische Partei nicht mit den Werten oder der Mission von Mullvad vereinbar ist, genauso wenig wie die Meinungen anderer zu Tierrechten, Steuern oder Gesundheitspolitik.“
    Statt eines klaren Statements gegen Faschismus werden antifaschistische User in Mullvads Reaktion zu Menschen erklärt, die sich mit „philosophischen“ Problemen beschäftigen. Mullvad hingegen strebe ein „tolerantes und intellektuell offenes Umfeld“ an, denn das „wirkt befreiend und fördert die Suche nach der Wahrheit“. Wer sich nicht mit Nazis auf die Suche begeben möchte, für den hat Mullvad ein Angebot: „Sollten Sie aus philosophischen Gründen kein Mullvad-Kunde mehr sein wollen, respektieren wir dies selbstverständlich und erstatten Ihnen den Betrag gerne zurück.“
    Presse Flamman (SE) | Nerikes Allehanda (SE) (Archiv) | Korben (EN) | MSN

  • Montag, 13.07.2026

    Dieter Niederhausen, 9. Oktober 1941 bis 31. Mai 2026, war einer von nur drei „Ehrenbandträgern“ der „Deutschen Burschenschaft“. Und wie wird man sowas? Noch 2025 wurde Niederhausen in einer Kleinen Anfrage der Linkspartei als Verbreiter der DB-Naziideologie genannt: „Ausgangs- und Angelpunkt der Verurteilung der Deutschen, verbunden mit dem Versuch der Identitätsberaubung, ist zunächst der ständige und wiederholte Vorwurf der Alleinschuld der Deutschen an den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs“.
    In den meisten Nachrufen wird lediglich Niederhausens Erstbund genannt, die „Burschenschaft Germania Halle zu Mainz“. Doch Norbert Weidner schrieb am 16. Juni 2026 (natürlich auf X), dass Niederhausen auch „Alter Herr“ der „Halle-Leobener Burschenschaft Germania“ gewesen sei. Das ist soweit korrekt, aufgenommen wurde er 2023. Aber interessanter ist Niederhausens erster, gescheiterter Aufnahmeantrag von 2019 aufgrund seiner 30 Jahre zurückliegenden Intrigen. Denn Niederhausen hatte 1991, als die „Germania Halle zu Mainz“ nach der Wende eine Verlegung nach Halle diskutierte, erst die Verlegung sabotiert und dann gegen eine Neugründung opponiert.
    Tatsächlich entstand die „Halle-Leobener Burschenschaft Germania“ 1999 aus einer Fusion der „Alten Leobener Burschenschaft Germania zu Clausthal“ und der erst 1993 gegründeten „Burschenschaft Franco-Germania Halle“. Die „Germania Halle zu Mainz“, die heute mit der „Halle-Leobener Germania“ im „Schwarz-Weiß-Rote Kartell“ ist, war offiziell nicht beteiligt. Aber so kurz vor seinem Tod nimmt die „Germania“ dann doch gerne noch einen „Ehrenbandträger“ auf und mit, zumal die Bedenkenträger von einst mittlerweile selbst tot sind.

  • Dienstag, 14.07.2026

    Neben Dieter Niederhausen hat die „Deutsche Burschenschaft“ in letzter Zeit noch eine weitere Nachnominierung eines Walhalladelegierten bekannt gegeben: Herwig Nachtmann, 4. August 1940 bis 18. Juni 2026. Nachtmann war „Alter Herr“ der „Burschenschaft Brixia Innsbruck“ und „Ehren­band­trä­ger” des „Öster­rei­chi­schen Pennälerrings“. Außerdem „Schriftleiter“ der „Burschenschaftlichen Blätter“ und Chefredakteur der „Aula“, aber vor allem: Südtiroler Terrorist.
    Die österreichische Rechercheplattform Stoppt die Rechten hat die Nachrufe der Naziszene analysiert, etwa den des SHB:
    „Der Süd­ti­ro­ler Hei­mat­bund (SHB) ver­ab­schie­de­te Nacht­mann als ,Frei­heits­kämp­fer‘ und ver­wies auf sei­ne Rol­le in den Süd­ti­rol­pro­zes­sen der 1960er-Jah­re. Nacht­mann wur­de wie auch Nor­bert Bur­ger in Graz 1965 zwar frei­ge­spro­chen, aber bei einem Pro­zess 1970 in Flo­renz in Abwe­sen­heit ver­ur­teilt. Aus­ge­lie­fert wur­de er jedoch nicht. Zugleich erklär­te SHB-Obmann Roland Lang, es ste­he sei­nem Ver­ein nicht zu, über Nacht­manns spä­te­res poli­ti­sches Leben zu urtei­len. Die­se galan­te Aus­las­sung betrifft die Fort­set­zung einer poli­ti­schen Sozia­li­sa­ti­on im deutsch­na­tio­na­len und rechts­extre­men bzw. neo­na­zis­ti­schen Milieu.“
    Als wir 2023 im Rahmen einer Kampagne einen Angriff in Südtirol machten, bebilderten wir unser Communiqué mit einem Flyer zu einer „Zeitzeugen“-Veranstaltung der „Brixia“ und der „pennalen Burschenschaft Anton Wallner Saalfelden“. Nach einer Kranzniederlegung fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „61 Jahre Feuernacht – eine Würdigung. Zeitzeugen aus Österreich berichten.“ statt. Herwig Nachtmann saß damals auf dem Podium.
    Nachtmanns Tod ist eine gute Nachricht für alle Antifas. Denn mit ihm stirbt einer der umtriebigsten Verklärer des „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) samt seiner rechtsradikalen Morde. Nachtmann war auch aktiv beteiligt am Haider-Putsch auf dem FPÖ-Parteitag am 13. September 1986 in Innsbruck. Mit Haiders Machtübernahme begann der Aufstieg der FPÖ zur Nazipartei von heute.
    Trotz aller Bomben starb Nachtmann schlussendlich in Innsbruck, im österreichischen Teil Tirols. Denn Südtirol ist Italien.

  • Mittwoch, 15.07.2026

    Die kommerzielle US-Rechercheseite „The Intercept“ hat die Kontrolle über den Signal-Account verloren, über den Whistleblower sich an die Redaktion wenden konnten. Statt einer Erklärung für die feindliche Übernahme heißt es unter „The Intercept Welcomes Whistleblowers“ lediglich:
    „Gemäß der aktuellen Security Best Practices haben wir unsere Signal-Tipp-Hotline aktualisiert. Wenn Sie The Intercept kontaktieren möchten, wenden Sie sich bitte direkt an unsere Reporter oder nutzen Sie den Signal-Account Theintercept_tips.01.
    Bitte verwenden Sie nicht den Benutzernamen TheIntercept.01. (Der Benutzername Theintercept_tips.01 ist aktuell (Stand: 30. Juni 2026) und die einzige Möglichkeit, den institutionellen Signal-Account von The Intercept zu erreichen.)“

    Laut einer Recherche der Intercept-Abspaltung Drop Site gibt es zudem einen Fake-X-Account von The Intercept, der weiterhin gerne Hinweise entgegennimmt:
    „Es ist nicht ganz klar, wann genau ,The Intercept‘ die Kontrolle über seine Signal-Hinweisplattform verloren hat, die dazu dient, anonyme Quellen zu schützen, die Informationen vertraulich an das Medium weitergeben möchten. Doch seit mindestens Februar dieses Jahres ist ein X-Account, der sich selbst als ,Investigative Intake‘ der Publikation bezeichnet, online aktiv, sammelt Hinweise und antwortet auf Beiträge von US-Abgeordneten und Regierungsvertretern – zwischen Februar und Mai wurden rund 100 solcher Beiträge verfasst.
    Ein Reporter von ,Drop Site‘ wandte sich am 1. Juli an den X-Account, dessen Profilbeschreibung nach wie vor auf die gehackte Hinweis-Hotline verweist, und erhielt eine Antwort, in der um Informationen gebeten wurde. Eine an den gehackten Signal-Account gesendete Nachricht wurde zugestellt, was darauf hindeutet, dass dieser weiterhin aktiv ist. Es gab jedoch keine Antwort.“

    Presse: Drop Site | Freedom Press | SC Media | Cyber Insider

  • Donnerstag, 16.07.2026

    Der „Coburger Convent“ durchlebt eine Zeit des Streits. Und das, obwohl wir unsere Kampagne nach drei Jahren Streit Ende 2025 eingestellt haben. Das Gehader will aber einfach nicht enden. Anlass der derzeitigen Zankereien sind, wie sollte es auch anders sein, die Ereignisse auf dem diesjährigen Pfingstkongress: die empörenden Reden und hinterfotzigen Fehden, die Skandale im Bierglas und die Ignoranz der Boomer.
    Die Protagonisten von Querelen, Revanche und Fauxpas sind das Silberkartell, Alexander Kliesch und Hans Schollmeyer. Sprich die üblichen Verdächtigen. Also alles wie immer? Vielleicht bis auf die bisher unbeachtete Detonation der diesjährigen „Festrede“ der „Präsidierenden“ am 23. Mai 2026 als Überraschungssprengsatz im Bierzelt am Coburger Anger.
    Aber beginnen wir doch mit Hans Schollmeyer, der nach 54 Jahren hinter den Kulissen im CC noch immer alle Fäden in der Hand hält oder es zumindest versucht. Bekannt ist Schollmeyer für Sprüche wie „Haben Sie kein Abitur?“, den er dem Bayerischen Rundfunk drückte. Schollmeyer wurde damit zum reaktionären Original und von uns ja nicht ohne Grund weidlich seziert. Doch die Zeiten ändern sich und dieses Jahr wurde Schollmeyer ironischerweise von einem Nazi vorgeführt: Sebastian Weber aka „Weichreite TV“.
    Wir hätten auch nicht gedacht, dass wir mal eines seiner Nazivideos verlinken würden, aber here we are: Hans Schollmeyer in seiner ganzen Arroganz und Ignoranz. Erst will er Weber zu Beginn des „Fackelmarschs“ einen Platzverweis auf einer öffentlichen Straße geben, was die Polizei ihm untersagt. Anschließend beleidigt Schollmeyer den Nazi als Bürgergeldempfänger, der „von ihm“ lebe, weil er ihn fälschlicherweise für einen Linken hält. „Weichreites“ Beschwörung gemeinsamer Feinde und seine Appelle an Schollmeyers Patriotismus verglühten in dieser Nacht unentfacht.
    Der eigentliche Zündfunke war die diesjährige „Festrede“. Sie war dann in etwa so, wie wir sie erwartet haben, als wir den Namen des Redners erfuhren: Christian Stoll. Nicht, weil Stoll „Alter Herr“ der „Alten Turnerschaft Slesvigia-Niedersachsen Hamburg-Königsberg zu Hamburg“ und als „Festredner“ eben auch „Alter Herr“ der diesjährigen „Präsidierenden“ ist, der „Landsmannschaft Hercynia Jenensis et Hallensis zu Mainz“.
    Der Grund ist vielmehr, dass Christian Stoll von 2006 bis 2016 offizieller Stadionsprecher des DFB und von 1996 bis 2022 Stadionsprecher von Werder Bremen im Weserstadion war. „Stolli“ wurde gefeuert, weil er einen Schiedsrichter und einen Fußballfunktionär nach einem verlorenen Bundesliga-Heimspiel über die Stadionlautsprecher beschimpfte.
    Fangen wir mit den Oberflächlichkeiten an: Stolls Rede mit dem euphemistischen Titel „Die Freiheit muss bewahrt werden“ war konfus, langweilig und lang. Sehr lang. In ihr ist ein verbitterter Berliner Boomer „genervt vom Fokus auf Minderheitenrechte und vom Gendern, ganz zu schweigen von Themen wie postkoloniale Studien, Intersexualität oder dem Umgang mit Migranten“. Stoll hetzte in AfD-Manier gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, angebliche Meinungsunterdrückung, Wind- und Sonnenergie, „Wokeness“ und die LGBTQ-Community – das ganze Spektrum eines „Wutbürgers“, also eines ganz normalen deutschen Nazis.
    Sprüche wie „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ und „Wer halb Kalkutta aufnehmen will, rettet nicht Kalkutta, sondern wird selbst Kalkutta!“ waren selbst einigen im Publikum zu viel: Coburgs Zweiter Bürgermeister und der SPD-Fraktionsvorsitzende verließen das Festzelt, nur um nach der Rede wieder zu Coburgs SPD-Oberbürgermeister Dominik Sauerteig zurückzukehren, der artig sitzen geblieben war. Sauerteig erwähnte anschließend in seiner eigenen Rede Stolls Nazirede, derentwegen es im Nachgang mehrere CC-Austritte gab, mit keinem Wort.
    Auch der CC-Rat hat sich mit der Nazirede auseinandergesetzt, aber das Ergebnis stand natürlich schon vorher fest: „Nach der intensiven Befassung der Rede auf Ihre Vorwürfe hin, haben sich die Vorwürfe der Homophobie, der Ausländerfeindlichkeit und der Islamophobie als unhaltbar erwiesen. Dass die Rede eine in einem unpolitischen Verband eine klare Stoßrichtung hatte und politisch in eine Richtung ging, ist zu erkennen. Dass zur Untermauerung solcher Botschaften eine platte populistische Rhetorik herangezogen wurden, ist dem Anlass eines Festkommerses in Coburg unwürdig und bedient allzu oft sichtbare, stark vereinfachende Mechanismen. Aus dem Text der Rede gehen jedoch keine pejorativen sprachlichen Muster hervor, sodass der Vorwurf der Diffamierung anderer politischer Ansichten nicht nachvollziehbar ist.“
    Angerufen wurde der CC-Rat von „Aktiven“ der „Landsmannschaft Hasso Borussia Marburg“, der „Landsmannschaft Verdensia Göttingen“, der „Landsmannschaft Troglodytia Kiel“, der „Landsmannschaft Neoborussia Halle Freiburg“, der „Turnerschaft Asciburgia Würzburg“, der „Landsmannschaft Brandenburg Berlin“, der „Landsmannschaft Sorabia-Westfalen Münster“, der „Landsmannschaft Salia Bonn“, der „Turnerschaft Markomanno-Teutonia Greifswald“, der „Landsmannschaft Rhenania Münster“ und der „Landsmannschaft Ubia Brunsviga Paleomarchia Bochum“, welche die Rede geißelten. Also in etwa die Bünde von Alexander Kliesch, der 2025 nicht in den CC-Rat wiedergewählt wurde, und seinem „Silberkartell“.
    Die „Aktiven“ haben trotz Klieschs versierter Intrigenerfahrung einen ähnlich schlechten, aber für den Zweck ausreichend anwürfigen Brief zur Rede geschrieben, an den CC-Rat verschickt und anschließend verbandsintern geleakt, was Verunsicherung, Paranoia, Ohnmacht, Wut und Streit bewirkte. Hätten wir nicht besser machen können. Das wurde natürlich auch vermutet. War aber nicht nötig. Ihr schafft das! Ganz alleine. Los!

  • Freitag, 17.07.2026

    Ende April wurde ein FAU Gewerkschafter von zwei jungen Nazis mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. In Stuttgart findet am Samstag, dem 18. Juli 2026, eine Demo der FAU Stuttgart wegen des rechten Mordversuchs statt. Im Aufruf heißt es:
    „Das war kein Einzelfall und es war nicht ,nur‘ ein Angriff auf einen Einzelnen. Gemeint waren wir alle: Alle, die nicht in das Weltbild der Faschisten passen. Rechte Gewalt wird sichtbarer und selbstbewusster – auch hier in Stuttgart. Dem stellen wir uns gemeinsam entgegen.“
    Los geht es um 17 Uhr vor dem Museum am Löwentor.

  • Samstag, 18.07.2026

    Die „Verbandstagung“ der „Deutschen Burschenschaft“ vom 20. bis 22. November 2026 im polnischen Wrocław wird von der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ organisiert. Die Naziburschen wollen am 20. November um 18 Uhr ein „Totengedenken mit Fackelmarsch“ im ehemaligen Breslau veranstalten. Das Wochenende kostet pro Person 275 € und „Damen sind zu allen Veranstaltungen herzlich willkommen“.
    Allerdings sind die „Raczeks“ nicht etwa zur neuen „Vorsitzenden“ gewählt worden, also zur nächsten „vorsitzenden Burschenschaft“ im Geschäftsjahr 2027. Das liegt daran, dass überhaupt keine Nachfolgerin der derzeitigen „Vorsitzenden“, der „Burschenschaft Frankonia Erlangen“, gewählt wurde. Seit einigen Jahren scheint das Pöstchen unter den „Burschenschaften“ zunehmend an Attraktivität zu verlieren.

  • Sonntag, 19.07.2026

    Der Spiegel (Archiv) berichtet wie zuvor hessische Medien über Morddrohungen in Form handgeschriebener Wandsprüche in der Philosophischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg gegen Christina Brüning, Professorin für Didaktik der Geschichte. Die polizeilichen Ermittlungen zu den Morddrohungen verliefen ergebnislos, die Uni stellt Brünings Arbeitsgruppe mittlerweile klandestine Räume zur Verfügung.
    Die 45-jährige Professorin selbst sieht die Drohungen als Folge ihres Engagements gegen Rechte und Nazis – insbesondere gegen die interkorporierte „Studentenhistorikertagung“ 2025 in Marburg. Die von „schlagenden“ Marburger Studentenverbindungen und dem „Arbeitskreis der Studentenhistoriker“ organisierte Veranstaltung musste aufgrund der antifaschistischen Marburger Herbstoffensive abgesagt werden und fand stattdessen im kleinen Kreis statt. Der Spiegel schreibt:
    „Im vergangenen Herbst protestierte Brüning gegen eine von Burschenschaftern und anderen Verbindungen geplante »Studentenhistorikertagung« in Marburg. Dort seien, wie die Professorin und eine ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen es sehen, »Versuche der Geschichtsumdeutung« zu erwarten gewesen. Die beiden veranstalteten ein eigenes Podium mit Vorträgen im Marburger Rathaus. Das Burschenschaftertreffen fand am Ende nicht statt.
    Eckart Conze, Dekan des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaft, sagt rückblickend, es habe »massive Angriffe und Vorwürfe aus dem rechten Milieu« gegen die Professorin gegeben, weil sie sich gegen das Treffen gewandt habe. Seine Kollegin sei damit »zu einer Figur geworden, auf die Hass projiziert worden ist«.
    Auch wenn unklar sei, wer hinter den Morddrohungen stecke, gebe es »eine hohe Plausibilität, dass diese Angriffe von rechts kommen«, sagt Conze. Andere Lehrende am Fachbereich hätten ebenfalls nach Bekanntwerden der Drohungen berichtet, dass eine Gruppe von Studenten, die vermutlich bestimmten Marburger Burschenschaften nahestehen, in den vergangenen Jahren immer wieder Seminare gestört und sich provokativ geäußert habe, etwa wenn es um Genderthemen gegangen sei.“

  • Montag, 20.07.2026

    Im Sommer 2022 haben wir Andreas Hinteregger auf dem Freiburger Lorettoberg als „Paukarzt“ der „Burschenschaft Teutonia Wien“ in der „Deutschen Burschenschaft“ bei einer „Auswärtsmensur“ fotografiert. Mittlerweile arbeitete Hinteregger für den FPÖ-Nationalratsabgeordneten Maximilian Weinzierl. Zumindest bis zum 8. Juli 2026 war das so, denn an diesem Tag wurde Andreas Hinteregger von der FPÖ gekündigt.
    Der Standard schreibt zu Hinteregger: „Hinteregger ist seit einigen Jahren bei der verfassungsfeindlichen Bewegung und deren Uni-Ableger ,Aktion 451‘ aktiv, gleichzeitig war er Schriftführer bei der Freiheitlichen Jugend Oberösterreich. Außerdem hat er einen Hang zum White-Power-Zeichen, mit dem er immer wieder vor Kameras posiert. Vor wenigen Wochen fiel er bei einer Sonnwendfeier auf, bei der er von ,germanischen Ahnen‘ sprach. Hinteregger wurde von RFJ-Bundesobmann Maximilian Weinzierl ins Parlament geholt.“
    Zur Kündigung kam es, da der österreichischen Rechercheseite Stoppt die Rechten ein Video zugespielt worden war, in dem Andreas Hinteregger zusammen mit Yan­nick Wagemann und Uwe Suchsland von der „Wiener Burschenschaft Olympia“ zu sehen ist, zwei der Angreifer von Leoben:
    „Sep­tem­ber 2025, am hell­lich­ten Tag, mit­ten in Wien vor dem Par­la­ment: Ein Stoppt die Rech­ten zuge­spiel­tes Video zeigt, wie der Iden­ti­tä­ren-Kader Yan­nick [Wagemann] einen Pas­san­ten zu Boden reißt und würgt. Als Zuse­her dabei: Phil­ipp [Huemer], damals AUF1-Redak­teur, und Andre­as [Hinteregger], bis ges­tern par­la­men­ta­ri­scher Mit­ar­bei­ter des FPÖ-NR-Abg. Maxi­mi­li­an Weinzierl.
    Yan­nick [Wagemann] ist im Fall von Leo­ben ver­däch­tig wegen schwe­rer Kör­per­ver­let­zung und Wie­der­be­tä­ti­gung. Die rohe Gewalt­at­ta­cke in Wien ähnelt jener, die auch der Leob­ner Taxi­len­ker geschil­dert hat, der nie­der­ge­ris­sen, fast bis zur Bewusst­lo­sig­keit gewürgt und getre­ten wurde.
    Ger­not [Schmidt], eben­falls Tat­ver­däch­ti­ger von Leo­ben und damals noch par­la­men­ta­ri­scher Mit­ar­bei­ter des FPÖ-Abg. Micha­el Ober­lech­ner, gehört mit [Wagemann] zum engs­ten Umfeld von Mar­tin Sell­ner. Sell­ner schweigt bis heu­te zur Gewalt­at­ta­cke von Leoben.“

    Presse: Standard 1 | Standard 2 | ORF | Kontrast | NÖN | Krone

  • Dienstag, 21.07.2026

    Die 100. Jubiläumssendung der ZDF Signature Satire-Sendung „Die Anstalt“ am 21. Juli ist eine ganz besondere Streisand-Werbeaktion für Die Antifa™. „Die Antifanstalt“ hat wenig überraschend den Kampf gegen Nazis zum wichtigsten innenpolitischen Thema des Jahres 2026 in Deutschland und deshalb zum Thema ihrer Sendung erkoren. Die Satiriker hatten dafür die Musiker Danger Dan und Igor Levit eingeladen, die das Lied „Keine Angst“ vorstellen wollten. Darin geht es um den Aufbau antifaschistischer Strukturen:
    „Als nächstes müsst ihr die rechten Struktur’n recherchier’n. Heimlich ihre Treffen und Demonstration’n fotografier’n. Findet raus, wer sie sind, was sie tun, wo sie leben. Wo sie arbeiten und findet raus, mit wem sie sich umgeben. Baut Fake-Accounts bei TikTok und bei Telegram. Dokumentiert alles, was sie schreiben, alles, was sie sagen. Holt den Papiermüll ab, lauft ihn’n nach. Zu ihren Häusern, ihren Wohnung’n, den Treffpunkten und Bars. Meldet euch bei jeder Singlebörse an. Irgendwie und irgendwann kommt man an jeden Nazi ran. Werdet dreist, delinquent, akribisch und kreativ. Stück für Stück füttert ihr so euer Antifa-Archiv.“
    Das ZDF jedoch empfand die abschließenden „[l]iebe[n] Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“ als Aufruf zu Gewalt und damit als Verstoß gegen die Programmrichtlinien. Der Auftritt wurde kurzfristig abgesagt und das ZDF zensierte ein antifaschistisches Lied – ein fatales Signal, aber gute Werbung. Die Absage kam zudem erst nach Wochen, wie die beiden Musiker auf Instagram schrieben:
    „Ganz kurz vor der Aufzeichnung hat allerdings die ZDF-Intendanz ihr Veto gegen unseren Auftritt eingelegt. Eine offizielle schriftliche Begründung für unsere Ausladung haben wir leider bislang nicht erhalten, aber natürlich hat dieses Auftrittsverbot einen politischen Hintergrund. Das Lied, das wir spielen wollten, lag dem ZDF schon seit Wochen vor, und auch der hauseigene Justiziar hatte unseren Informationen nach schon grünes Licht gegeben. Auch von Seiten der Sendung ,Die Anstalt‘ gab es Proteste gegen unsere Ausladung, sie hatten sogar ihre ganze Sendung umgeschrieben, um das Lied einzuweben und werden in der Ausgabe am kommenden Dienstag darauf eingehen.“
    „Die Anstalt“ stilisiert in ihrer Jubiläumssendung den CDU-Bundesinnenminister Robert Lehr zum leuchtenden Vorbild im Kampf gegen Nazis. Natürlich, um zu zeigen, dass auch Reaktionäre Antifaschisten sein können. Lehr setzte als Innenminister zwar 1952 das Verbot der „Sozialistischen Reichspartei“ durch. Aber er kämpfte auch für die demokratiefeindliche Änderung des Bundeswahlgesetzes mit dem Ziel einer strukturellen Benachteiligung der Arbeiterschaft. Außerdem war Robert Lehr „Alter Herr“ des „Corps Teutonia zu Marburg“ im „pflichtschlagenden“ „Kösener Senioren-Convents-Verband“ (KSCV). Dem Corps gehörten neben Nazigegnern wie Lehr auch Nazis wie Paul Duden und Henry Picker an.
    Aber die Ausrichtung des „Corps“ war eindeutig nationalsozialistisch: Am 17. Dezember 1938 gründete das „Corps Teutonia Marburg“ zusammen mit dem „Corps Guestphalia Marburg“ (heute: „Corps Guestphalia et Suevoborussia Marburg“) und dem „Corps Hassia Marburg“ (heute: „Corps Hasso-Nassovia Marburg“) „auf dem Haus“ der „Teutonia“ die „SC-Kameradschaft Allmenröder“. Das „SC“ steht für „Senioren-Convent“ und wie viele NS-Kameradschaften benannten sich die Nazikorporierten nach einem ihrer „Helden“ des ersten Weltkriegs. In diesem Fall nach dem „Teutonen“ und „Jagdflieger“ Karl Allmenröder, der am 27. Juni 1917 von dem britischen Piloten Raymond Collishaw abgeschossen wurde. Beim „Corps Teutonia Marburg“ handelt es sich somit um eine Nachfolgeorganisation einer „Kameradschaft“ im „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ (NSDStB), einer Untergliederung der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ (NSDAP).
    Auch wenn die Korpos in der „Anstalt“ wie üblich unterbelichtet sind, ist es gut und richtig, die inhaftierten Antifas ins Spotlight zu setzen. Denn ihr Widerstand in Budapest 2023 und anderswo war notwendig und ihre Mittel legitim. Paula erhielt Haftverschonung, Janis und Lina Beugehaft. Die in Düsseldorf Angeklagten werden nicht ausgeliefert und sie haben Aussagen gemacht. Die Auslieferungs-Forderungen von Deutschland gegen Gino und die von Ungarn gegen Zaid verzögern sich, beide befinden sich heureusement in Frankreich. Liebe Grüße an alle Antifas in Haft und im Untergrund. Nazis aufs Maul.
    Presse: Tagesspiegel | Spiegel 1 | Spiegel 2 | Tagesschau | BR 1 | BR 2 | SWP | RP | tz

  • Mittwoch, 22.07.2026

    Rodolphe Oberle, ehemaliger französischer Offizier und „Generalsekretär“ des französischen Thinktanks „Eastern Circles“, soll für die ESN-Fraktion eine Studie zum Thema „Der Ukraine-Krieg als Tech- und Informationskrieg: Rolle und Beiträge westlicher Tech-Firmen zur Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte“ erstellen. Ziel ist es, die europäische Unterstützung des Ukraine-Kriegs zu delegitimieren. Die Studie soll im Herbst veröffentlicht werden.
    Rodolphe Oberle wohnt in der elsässischen Gemeinde Wingersheim-les-Quatre-Bans 20 km nord-westlich von Strasbourg im Département Bas-Rhin. Seine Kontakte zur AfD sind lang und tief. Bereits im Oktober 2014 nahm er zusammen mit Markus Frohnmaier an einer Konferenz in Belgrad teil. Die Konferenz wurde von der Kreml-nahen „Stiftung der Würde“ organisiert, auch der Freiburger Nazianwalt Dubravko Mandic war damals einer der Teilnehmer. Anlass waren die Feierlichkeiten der serbischen Regierung zum 70. Jahrestag der Befreiung von der deutschen Besatzung. Ehrengast bei der großen Militärparade war Russlands Präsident Wladimir Putin.
    Oberle ist „Alter Herr“ der „Europäischen Studentenverbindung Robert Schuman Argentorata zu Straßburg“. Die Strasbourger Korporation wurde 1992 von österreichischen Verbindungsstudenten gegründet. Sie pflegt Freundschaftsverhältnisse zum „Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen“ (CV) in Deutschland, zum „Österreichischen Cartellverband“ sowie zum „Schweizerischen Studentenverein“ (SES) und ist außerdem Mitglied des „Europäischen Kartellverbands“ (EKV).
    Beauftragt wurde Oberle von dem AfD-Europaabgeordneten Hans Neuhoff, einem der vehementesten Putin-Apologeten in der AfD. Die taz schrieb 2023 über Neuhoffs Vortrag bei der Feier zum 20-jährigen Jubiläum der „Sezession“ von Götz Kubitschek sowie über Kubitscheks „Institut für Staatspolitik“ (IfS):
    „Über den ,Ukrainekonflikt‘ hielt Hans Neuhoff den Hauptvortrag. Der Professor an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und AfD-Mitglied knüpfte an einen Vortrag bei der IfS-Akademie an. Diese Sommer- und Winterakademien sind eng mit der Sezession verbunden. Vor der geschlossenen Gemein­schaft sprach der Thüringische AfD-Land­tags­frak­tions­chef Björn Höcke über den ,frühen Austausch‘ mit Kubitschek.“

  • Donnerstag, 23.07.2026

    Anfang Juli veröffentlichte Exif eine ausführliche Recherche über den Fußballverein „BSG Stahl Brandenburg“ und Nazikontinuitäten in Brandenburg an der Havel. Die Fanszene des Clubs fällt nicht erst seit gestern mit rechtsradikaler Propaganda auf:
    „Ein genauer Blick in die Fanszene der BSG Stahl und auf deren Akteure offenbart, dass die Neonazis kein neues Terrain betreten haben, sondern lässt eine Kontinuität erahnen, die bis in die 1990er Jahre zurück führt – in ein Milieu zwischen Hammerskins, «Blood & Honour», RechtsRock und Organisierter Kriminalität. Darauf verweisen lokale Antifaschist*innen immer wieder und das schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Publikationen.“
    Der Artikel beleuchtet die Geschichte der lokalen Nazi-Skin-Szene ab den früheren 1990ern, die Akteuere der ehemaligen Kameradschaft ,Hauptvolk‘, die überregionalen und internationalen Verbindungen der Brandenburger Nazi-Fußballfans und die Aktivitäten der regionalen Nachwuchs-Nazis:
    „Mit ihren extrem rechten ideologischen Versatzstücken scheinen sich die Jugendlichen gut aufgehoben zu fühlen, sind doch auch sie ideologisch flexibel. Besonders zur AfD wird ein guter Kontakt gepflegt und so verwundert es kaum, dass auch AfD-Politiker wie Lennart Krakow, der als Mitarbeiter eines Abgeordneten des Bundestags bekannt wurde, im Stadion der BSG Stahl gern gesehene Gäste sind. Zum Derby im Oktober 2025 präsentierte auch Krakow den ,Stahlgewitter‘-Schal mit der Losung ,Süd-Schwein verrecke‘. Unweit von ihm sammelte sich am Spieltag im Übrigen der beschriebene rechte Nachwuchs um Louis K. Es ist nicht das erste Mal, dass Krakow mit mangelnder Distanz auffällt. Schon um 2023 fiel er auf, als seine Partnerin auf Scoial Media ein Video teilte, das Krakow mit NS-verherrlichende Wohnzimmer-Deko zeigt: ein Kissen mit Reichsadler und dem Symbol der sogenannten ,Schwarzen Sonne‘.“
    Lennart Krakow, AfD-Lokalpolitiker in der Gemeinde Kloster Lehnin und Mitarbeiter von Hannes Gnauck, wurde durch seine von Rauswürfen geprägte Vergangenheit in verschiedenen Burschenschaften politisiert. Zunächst trat Krakow der „Pennälerverbindung Teutonia zu Kiel“ bei, wechselte allerdings noch als Schüler zur „Gymnasialen Burschenschaft Germania zu Kiel“ und war zeitweise wenig erfolgreicher Sprecher des „Allgemeiner Pennäler Ring“ (APR), einem Dachverband von Nazischülerverbindungen.
    Nach eigenen Angaben war Krakow von 2013 bis 2017 bei der „Burschenschaft Frankonia Erlangen“ aktiv. Anschließend trat er der „Burschenschaft Hilaritas Stuttgart“ bei, die ihn im Jahr 2020 wieder rauswarf. Daraufhin suchte er Anschluss bei der „Burschenschaft Gothia Berlin“, wo er ebenfalls nur kurzzeitig aktiv war. Immerhin blieb aus dieser Zeit ein Mensurfoto erhalten: „Diese Partie hat nicht gezogen“.

  • Freitag, 24.07.2026

    Zum 250. Jahrestag der Verabschiedung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung durch den Kontinentalkongress in Philadelphia am 4. Juli 1776 marschierten hundert oder hunderte – da gehen die Schilderungen auseinander – uniformierte Nazis der „Patriot Front“ durch Washington D.C. Weltweit bekannt wurde der Nazimarsch unter dem Motto „Reclaim America“ vor allem durch ein ikonisches Reuters-Foto eines schwarzen Mädchens in der New Yorker U-Bahn inmitten maskierter Nazis, das unweigerlich an Rosa Parks erinnerte. Für US-Innenminister Doug Burgum war das nur gelebte Meinungsfreiheit – „eines der Grundprinzipien der Vereinigten Staaten, das die Demokratie chaotisch macht“.
    Die Grundrechtsorganisation The Lawyers’ Committee for Civil Rights Under Law berichtete im April 2026 über den Ausgang eines Prozess gegen die 2017 nach Charlottesville in Texas gegründete „Patriot Front“:
    „Ein Bundesgericht hat die Patriot Front, deren Anführer Thomas Rousseau sowie die Mitglieder William Ring und Jacob Brown zur Zahlung von mehr als 470.000 US-Dollar verurteilt. Das Urteil erging in einem viel beachteten Verfahren, das eingeleitet worden war, nachdem Mitglieder der Patriot Front ein Wandgemälde zu Ehren der schwarzen Tennislegende und des Menschenrechtlers Arthur Ashe in dessen Heimatstadt Richmond (Virginia) beschädigt und zerstört hatten.
    Das ,Lawyers’ Committee for Civil Rights Under Law‘ hatte die Klage im Jahr 2022 im Namen von Bewohnern des Stadtviertels Battery Park eingereicht – einem diversen Viertel Richmonds mit überwiegend schwarzer Bevölkerung, in dem Ashe selbst das Tennisspielen erlernt hatte. [...]
    Die Klage wurde im Gerichtsbezirk ,Eastern District of Virginia‘ eingereicht und umfasste Vorwürfe der Verschwörung zur Verletzung von Bürgerrechten gemäß des ,Ku Klux Klan Act‘ von 1871 sowie des Vorwurfs der Einschüchterung aus rassistischen Motiven gemäß des Rechts des Bundesstaates Virginia. Das Gericht befand die Beklagten in allen Anklagepunkten für haftbar. [...]
    Der Vandalismus wurde bei einem offiziellen Treffen des Patriot-Front-Netzwerks am 12. Oktober 2021 geplant und kurz darauf gemäß der Richtlinien der Organisation ausgeführt. Während der Beschädigung des Wandgemäldes verwendeten die Beklagten rassistische Beleidigungen, was das Gericht zu der Schlussfolgerung veranlasste, dass ,rassistische Feindseligkeit gegenüber Schwarzen Menschen und deren Unterstützern das Verhalten der Beklagten motivierte‘.“

    Die „Patriot Front“ war 2025 auch in einem Zivilverfahren dazu verurteilt worden, fast 2,76 Millionen Dollar an einen afroamerikanischen Musiker zu zahlen, den die Gruppe 2022 bei einer von ihr organisierten Kundgebung in Boston angegriffen hatte. Strafrechtliche Verurteilungen gab es ebenfalls keine.
    Presse: NPR | Guardian | El País (en) | Spiegel

  • Samstag, 25.07.2026

    Die Dresdner Neuesten Nachrichten (Archiv) haben in einem Medienportrait den korporierten Hintergrund des brandenburgischen AfD-Abgeordneten Jean-Pascal Hohm beleuchtet. Der 29-jährige Hohm wurde am 29. November in Gießen zum ersten Vorsitzenden der „Generation Deutschland“ (GD) gewählt. Die GD ist die Nachfolgerin der im Januar 2025 aufgelösten AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“.
    Als Ausgangspunkt der DNN-Recherche diente die von uns veröffentlichte Mitgliedsliste vom 09.06.2020 (als PDF) der „Burschenschaft Salamandria Dresden“, in der Hohm sich als „Fux“ präsentiert. Jean-Pascal Hohm kann kein Mitglied der Salamandria sein, sofern die „Burschenschaft“, die seit 2014 Mitglied der „Deutschen Burschenschaft“ ist, das „akademische Prinzip“ nicht mittlerweile aufgegeben hat, denn der Berufspolitiker Hohm ist kein Akademiker: „Nach burschenschaftlichem Brauch darf man das eigentlich nur mit abgeschlossenem Studium, und Hohm hat sein Studium an der TU Dresden geschmissen.“
    Die Geschichte der „Salamandria“ als 1966 gegründete „DDR-Burschenschaft“ wird in dem DNN-Artikel ebenso beschrieben wie die Mitgliedschaft der „Burschenschaft“ ab 1990 in der Rudelsburger Allianz, deren Archiv wir kürzlich veröffentlicht haben. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Studentenverbindungen unterschiedlicher Prägung, die alle noch in der DDR gegründet wurden.
    „In den zwei Jahrzehnten danach wurde die Burschenschaft zum reinen Altherrenbund. […] Beim Burschentag 2014 geht ,der seit der Gründung gehegte Traum, mal eine ‚richtige‘ Burschenschaft zu werden‘ für die Alten Herren schließlich in Erfüllung. So schrieb es Salamandria-Urgestein Werner [Engelmann] später in einem Beitrag für die ,Burschenschaftlichen Blätter‘, der DB-Verbandszeitschrift.
    Die Mitglieder des Dachverbandes hatten den Antrag auf Aufnahme in der DB einstimmig angenommen. [Engelmann] versagte bei den folgenden Dankesworten ,vor Rührung die Stimme‘. Man werde sich bemühen, in Dresden nun aktive Studenten (eine ,Aktivitas‘) für die Salamandria anzuwerben, und sie in einem eigenen Verbindungshaus einzuquartieren, versprach er in seinem Beitrag. ,Gegen den Linkstrend in unserer Gesellschaft und die verordnete Zeitgeistkonformität.‘“

    Im Jahr 2015 mietete die „Salamandria“ die „Villa Grübler“ in Dresden-Plauen als ihr Verbindungshaus an. Das Haus wurde in den Folgejahren regelmäßig von rechtsradikalen Gruppierungen als Veranstaltungsort genutzt. Am 4. Dezember 2021 sollte dort noch die „Weihnachtsfeier der Jungen Alternative Sachsen und Dresden“ stattfinden. Diese Naziveranstaltung musste allerdings von der sächsischen JA, zu deren Mitgliedern zu dieser Zeit auch der Dresdner Nazistaatsanwalt Mike Ulbricht zählte, kurzfristig wieder abgesagt werden:
    „Liebe Mitglieder der JA Sachsen, liebe andere Interessenten, schweren Herzens müssen wir leider unsere für den Samstag in einer Woche geplante Weihnachtsfeier absagen. Grund sind die unverhältnismäßigen Einschränkungen durch das Corona-Regiment der Landesregierung: Touristische Hotelübernachtungen wären nicht möglich. Private Zusammenkünfte von Ungeimpften sind nur noch mit einem anderen Haushalt möglich. Ein Catering wäre nicht möglich. Auch für die gastgebende Burschenschaft würde es ein Risiko bedeuten.“
    Im Jahr 2022 verließ die „Salamandria“ ihr Verbindungshaus wieder. Der neue Standort in der Tiergartenstraße 76 in Dresden-Strehlen ist der sächsischen Lokalpresse offenbar bisher nicht bekannt:
    „Dann, 2022, der Rückzug. Die Salamandria gibt ihre Konstante in der Villa Grübler auf, ohne eine neue Adresse zu nennen. Es ist, nach Jahren im Mittelpunkt der rechten Vernetzung, ein Sprung ins Klandestine. […] Bis heute bleibt eine neue Konstante der Salamandria unbekannt.
    Dass der burschenschaftliche Betrieb sich fortsetzt, ist ein Fakt: Erst im Februar 2026 waren mehrere Burschenschaftler auf dem von der FPÖ organisierten Wiener Akademikerball zugegen. Wie viele rechte Gruppierungen legte man den Opfern der Bombardierung Dresdens in den letzten Jahren Kränze nieder.“

    Auch Manuel Schreiber ist Thema, der nicht nur Mitglied der „Burschenschaft Salamandria Dresden“ ist, sondern seit 2023 auch der „Burschenschaft Rugia Greifswald“:
    „Auch in der radikaleren Szene bleibt die Salamandria präsent, wenn auch ohne Veranstaltungen im eigenen Haus. 2024 sprach Ex-Junge-Alternative-Funktionär Manuel Schreiber auf einer Konferenz der rechtsextremen Homeland Party in Großbritannien. Schreibers Name fehlt auf der Mitgliederliste von 2020 zwar, doch es existieren Bilder, die ihn in der Couleur der Salamandria zeigen.“

  • Sonntag, 26.07.2026

    Am Wochenende des 18. und 19. Juli 2026 feierten rund 200 Nazis aus ganz Deutschland bei Sven Krüger in Jamel im Landkreis Nordwestmecklenburg bei Wismar – Deutschlands bekanntestem Nazidorf. Der NDR berichtet über Robin Schmiemann von „Combat 18“ und Philipp Neumann von „Die Heimat“/NPD:
    „Bei einem Treffen von Rechtsextremisten in Jamel am Wochenende waren offenbar auch Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet zu Gast. Nach Informationen des NDR nahmen mehrere verurteilte Straf- und Gewalttäter aus der rechtsextremen Szene teil. Der überregional bekannte Robin [Schmiemann] zum Beispiel postete Fotos auf seinem eigenen social-media-Kanal von dem Treffen. Er war einer der führenden Köpfe des mittlerweile verbotenen paramilitärischen Netzwerks ,Combat 18‘ (C18) und soll in Kontakt zu der NSU-Rechtsterroristin Beate Zschäpe gestanden haben.
    Im vergangenen Jahr stand er mit anderen Neonazis vor Gericht. Sie sollen gemeinsam C18 heimlich weitergeführt haben. Er saß acht Jahre in Haft, weil er bei einem Raubüberfall einen tunesischstämmigen Kunden angeschossen hatte. Neben Robin S. waren ebenfalls bekannte Rechtsextremisten wie der Sänger einer Rechtsrock-Band und stellvertretender Vorsitzender der Partei ,Die Heimat‘ (früher NPD) anwesend. Die Lieder der Rechtsrock-Band sind aufgrund ihrer extremen Inhalte teilweise indiziert.“

    Schmiemann postete zur Untermalung den Klansong der „Lunikoff Verschwörung“: „Und die Männer in den Kapuzen schwören im Fackelschein. Lasst uns tot oder die ersten eines Weißen Südens sein.“ Der NDR schreibt:
    „Bei dem Treffen wurde auch ein großes Kreuz aus Holz in Brand gesetzt. Das brennende Kreuz ist ein Symbol des sogenannten Ku-Klux-Klan, ein neonazistischer und rassistischer Geheimbund, der ursprünglich aus den USA stammt.“

  • Montag, 27.07.2026

    In der Schweiz offenbart sich die ganze Doppelmoral ihrer Familien- und Ausländerpolitik am Fall des SVP-Politikers und zweifachen Familienvaters Patrick Frei. Der saß von 2021 an für SVP im Aargauer Kantonsparlament, bis ihn die Polizei 2023 verhaftete. Noch immer wird gegen den rechtskonservativen Politiker ermittelt wegen mehrfachem versuchten Mordes, mehrfacher qualifizierter Vergewaltigung, mehrfacher qualifizierter sexuelle Nötigung, Schändung, mehrfacher sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfacher qualifizierter Körperverletzung, mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfacher Pornografie, mehrfacher Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte sowie sexueller Belästigung.
    SVP-Großrat Frei filmte seine Misshandlungen, bis seine Partnerin ihn in flagranti dabei überraschte, wie er ihre mit K.O.-Tropfen betäubte Tochter vergewaltigte. Das Mädchen war damals 15 Jahre alt. Auch seine Partnerin selbst hatte der Mann wie zuvor seine Ex-Frau auf diese Art vergewaltigte und viele Stunden Videomaterial davon hergestellt.
    Durch Freis Verhaftung fielen Mutter und Tochter in ein finanzielles Loch und beantragten deshalb in der Aargauer Gemeinde Untersiggenthal Sozialhilfe. Das zuständige Migrationsamt leitete daraufhin ein Verfahren wegen eines Scheinarbeitsverhältnisses und Täuschung der Behörden ein und bedrohten sie und ihre Tochter mit Abschiebung nach Polen. Die Behörden unterstellten der Frau, sie sei eigentlich die unbezahlte Haushälterin des Schweizer Täters gewesen.
    Der Fall weist eine bemerkenswerte Parallele zum dem Vergewaltigungsfall des Freiburger CDU-Bundestagsabgeordneten Matern von Marschall auf. Nicht nur missbrauchten beide Berufspolitiker über einen längeren Zeitraum minderjährige Mädchen aus ihrem familiären Umfeld und nutzten dafür ihre Machtposition schamlos aus.
    Beide Politiker stimmten zudem trotz ihrer Taten für eine Verschärfung der Gesetze, die genau diese Taten unter Strafe stellen. Noch am 1. September 2023 unterschrieb Patrick Frei eine Interpellation im Aargauer Kantonsparlament für eine Verschärfung des vor fast zehn Jahren eingeführten lebenslangen Tätigkeitsverbots für Straftäter, die Kinder missbraucht haben. Drei Tage vor seiner eigenen Verhaftung.
    Presse: Tagesanzeiger | SRF | Blick | Spiegel

  • Dienstag, 28.07.2026

    Am 25. Juli 2026 gab es einen Anschlag auf den CSD Berlin. Während Hunderttausende friedlich in den Straßen feierten, fuhr am Abend ein Auto in die Menschenmenge. Der Täter, ein Islamist, tötete dadurch eine Frau und verletzte 29 weitere Menschen, zum Teil auf der Flucht mit einer Machete. Zuvor war bereits eine Person durch Schüsse aus einer Softairwaffe auf dem Demozug verletzt worden.
    In den letzten Jahren nehmen die Angriffe auf CSD-Demos und queere Menschen vor allem im Osten zu. Schon im Vorfeld des Berliner CSDs hatten die Nazi-Gruppen „Deutsche Patrioten Voran“ (DPV) und „Jägertruppe“ (JT) zu Nazidemos und Kundgebungen aufgerufen. Berlin gegen Nazis schreibt:
    „Dass sich diese beiden Gruppen verantwortlich für den rechtsextremen Aufmarsch zeigen, ist wenig überraschend. DPV und JT haben in der laufenden Pride-Saison 2026 bereits mehrmals gemeinsam gegen CSDs in Brandenburg mobilisiert. Am 30. Mai traten sie mit „Gegenprotest“ in Frankfurt (Oder)/Słubice in Erscheinung. Anmelder war dort wohl ein führender Protagonist der „Jägertruppe“. Die rechtsextremen Jugendgruppen schafften es nicht, 50 Teilnehmende zu mobilisieren und mussten auf dem Gehweg laufen. So auch zwei Wochen später am 13. Juni in Eberswalde. Wieder mobilisierten beide Gruppen, wieder kamen nur knapp über 40 Teilnehmende. Als Versammlungsleitung trat dieses mal eine Protagonistin der DPV auf, die aufgrund ihres höheren Lebensalters im Vergleich zu den sonst sehr jungen Mitgliedern hervorsticht. Ein weiterer Aufmarsch der beiden Gruppen gegen den CSD in Bernau wurde abgesagt, weil die Pride aufgrund von Hitze verschoben wurde. Gegen den CSD in Müncheberg mobilisierte die DPV circa 25 Teilnehmende ohne JT, dafür mit erneuter Unterstützung aus Brandenburg.“
    Auch in weiteren Städten kam es zu dieses Jahr bei CSD-Demos zu Zwischenfällen: In Hameln wurde belästigt (Archiv), in Chemnitz wurden Eier geworfen, in Cottbus gab es einen Brandanschlag auf das alternatives Wohnprojekt „Zelle 79“, das für den CSD eine Regenbogenflagge aufgehängt hatte. Im Saarland hatten die Nazigruppen „Saarpfalz Kollektiv” und „Zweibrücken aktiv“ 35 Nazis gegen den dortigen CSD mobilisiert. Für den CSD im sächsischen Plauen am 15. August ist eine Nazi-Kundgebung mit bis zu 100 Personen angemeldet.
    Aber auch abseits der CSD-Demos ist die Liste an Vorfällen von Beleidigungen, Bedrohungen und gewalttätigen Angriffen gegen Schwule, Lesben und Transpersonen lang, wie der LSVD⁺, der Verband Queere Vielfalt, dokumentiert. Auf der Seite des NSU-Watch ist eine tiefergehende Analyse der Vorfälle aus dem Jahr 2025 des Autor*innenkollektiv Feministische Intervention (AK Fe.In) veröffentlicht. Daneben hat das Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) Forschungspapiere zu der Nazimobilisierung gegen CSDs aus dem Jahr 2024 und zu der Kontinuität der Anti-CSD-Aufmärsche im Jahr 2025 veröffentlicht.

  • Mittwoch, 29.07.2026

    Belltower News der Amadeu Antonio Stiftung hat einen Rechercheartikel zu den derzeitigen Naziaktivitäten von Alexander Kleine, genannt „Malenki“, veröffentlicht. Während Kleine früher für seine IB-Hetze verklagt und angegriffen wurde, setzt er nunmehr vollständig auf KI-generierte Graphic Novels zur Verbreitung seiner Nazipropaganda.
    „Das KI-Video über Dresden erzählt im Anime-Stil die Geschichte eines Mädchens, das – geflüchtet aus den deutschen Ostgebieten – die Bombardierung Dresdens miterlebt: „Es war so grausam, dass selbst die Engel weinten“, heißt es im Video. 250.000 Zivilist*innen seien während der Bombardierungen Dresdens getötet worden. Eine Propagandazahl des NS-Regimes, die längst auf etwa 25 000 Tote korrigiert wurde, aber seit Jahrzehnten auf Neonazidemos und in geschichtsrevisionistischen Opfererzählungen kursiert.“
    Seine Firma „Tannwald Media“ hat ihren Sitz noch immer in der Balzacstraße 7 in Leipzig, der Adresse der „Burschenschaft Dresdensia Leipzig“ in der „Deutschen Burschenschaft“. Neuerdings sind die Auftraggeber von Kleines Firma „Grimbart Studio“ vermehrt in AfD-Kreisen zu finden. Nach unseren Informationen lebt „Malenki“ von der Nazipartei:
    „Christoph Grimm, Abgeordneter für die AfD im Bundestag, kündigte im Februar dieses Jahres an, Comics von ,Grimbart Studio“ an Grundschulen und Kindergärten zu verteilen. Die Bücher sollen in seinem Wahlkreis etwa an Grundschulen in Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg versendet worden sein.“

  • Donnerstag, 30.07.2026

    Das Antifaportal Periskop Leipzig hat einen Rechercheartikel über Tobias Nees veröffentlicht. Bei Nees handelt es sich um den „Kanalarbeiter“, der am 8. Januar 2019 in Leipzig-Connewitz „nur aufgrund seiner Mütze“ von Antifas angegriffen wurde, was derzeit in einem der größten Antifaprozesse in Dresden verhandelt wird.
    Doch das Narrativ der Anklage hält einer Recherche nicht stand: Tobias Nees war vor dem Angriff Nazi und auch danach, wie durch Fotos belegt wird. Deshalb trug er an diesem Tag eine Mütze der Marke „Greifvogel Wear“, was ihn als militanten Nazi auswies – zumindest nach Meinung militanter Nazis:
    „Das [...] ,One Family‘-Tattoo am Hals habe er sich 2016 gemeinsam mit ,10 Mann‘ stechen lassen, gab Nees vor dem Oberlandesgericht Dresden an. Einen, der das Motiv ebenfalls am Hals trägt, Sandro Schulz, habe Nees nach dem Angriff auf ihn im Januar 2019 zeitnah angerufen. Damals meinte Schulz zu ihm, dass es ja klar sei, dass so etwas passiere, wenn man so eine Mütze in Leipzig-Connewitz trage. [...] Neben Schulz ist auch ein weiterer bekannter Neonazi Teil des Freundeskreis um Tobias Nees: Felix Stiller aus Leuna (Sachsen-Anhalt). Auch er trägt das ,One Family‘-Tattoo am Hals. [...] Felix Stiller und Dominic Exel trainieren heute in Halle (Saale) in der rechten ,Gladiator Fight Academy‘. Stiller ist außerdem Mitglied des rechten Rockerclubs ,Underdogs MC‘.“
    Der Artikel geht auch noch auf andere Naziopfer im Kontext des Antifa Ost-Verfahrens ein:
    „Tobias Nees ist damit nicht der einzige Angegriffene im ,Antifa Ost‘-Komplex, der vor Gericht und in den Medien als unpolitisch und ahnungslos inszeniert wurde, um aufzuzeigen wie vermeintlich wahllos die angeklagten Antifaschist_innen vorgegangen wären. Auch im Fall der im Februar 2023 in Budapest im Rahmen des NS-verherrlichenden ,Tag der Ehre‘ Angegriffenen, darunter die Neonazis Robert Fischer und seine Begleiterin aus Niedersachsen und der Ungar Lázló Dudog, wurde lange der Mythos aufrecht gehalten, dass diese nur ,Bürger, Touristen und Passanten‘ gewesen seien. Fischer habe nur an einem Konzert teilgenommen, Dudog sei dort mit seiner Band als Musiker aufgetreten.
    Dass es sich bei dem Konzert um die vom Neonazi-Netzwerk ,Blood & Honour‘ (B&H) ausgerichtete ,Willkommensfeier‘ zu den Gedenkveranstaltungen rund um den ,Tag der Ehre‘ handelte, wurde medial zumeist ausgespart. Dass sich in diesem Rahmen ein internationales Netzwerk von Neonazis traf, dessen Verbindungen bis in den Rechtsterrorismus reichen, fand keine Erwähnung. Mit Jörg Anke aus Sachsen nahm an dem Konzert unter anderem ein langjähriges B&H-Mitglied teil, das beste Verbindungen ins NSU-Unterstützernetzwerk unterhielt.“

  • Freitag, 31.07.2026

    Nach dem Vereinsverbot von Peter Fitzeks „Reichsbürger“-Gruppe „Königreich Deutschland“ im Mai 2025 durch CSU-Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat nun die Bundesanwaltschaft Anklage erhoben. Vier Nazis werden vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung nach § 129 StGB angeklagt, wie die Tagesschau berichtet:
    „Als ,Oberster Souverän‘ hatte der gelernte Koch Fitzek laut Mitteilung der Bundesanwaltschaft ,die Kontrolle und Entscheidungsgewalt in allen wesentlichen Bereichen‘ und bestimmte so etwa die ideologische Ausrichtung. Zu den Beschuldigten gehören neben Fitzek noch Benjamin [Michaelis] und Martin [Schulz] – sie alle zählten demnach zu den Gründungsmitgliedern des KRD. ,Mathias [Blaul] übernahm ab 2016 Führungsaufgaben‘, heißt es zum vierten Beschuldigten.“
    König Peter hat zudem noch zwei Millionen Steuerprobleme:
    „Einem der Beschuldigten, dem KRD-Gründer Peter Fitzek, werden zudem unter anderem der Betrieb eines unerlaubten Versicherungsgeschäfts und zahlreiche Fälle von Steuerhinterziehung zur Last gelegt. […] Für Mitarbeiter seien […] keine Lohn- und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt worden. Das habe insgesamt zu einer Hinterziehung von zwei Millionen Euro geführt.“
    Die BILD-Zeitung kennt Details zum Vermögen des Königs und der Naivität seiner Untertanen:
    „Die Beute der Ermittler war gewaltig: Mehr als 162.000 Euro Bargeld, über 700.000 Euro in Gold sowie weitere 152.000 Euro Vereinsvermögen wurden sichergestellt. Hinzu kommen millionenschwere Immobilien. Der Monarch kaufte Schlösser und Gutsherrensitze in Sachsen, Thüringen und Niedersachsen – drei Anwesen wurden beschlagnahmt.
    Zu seinem Vermögen war der in Halle (Saale) geborene Mann, der vor der Wende als Koch arbeitete, mit unerlaubten Bank- und Versicherungsgeschäften gelangt. Bereits bei früheren Verfahren hatten die Ermittlungsbehörden große Geldmengen bei Fitzek beschlagnahmt. Doch während der Corona-Pandemie gelang es ihm dann, eine erhebliche Zahl neuer Anhänger zu rekrutieren. Ein mit dem Fall befasster ranghoher Justizbeamter zu BILD: ,Seine sogenannten Sparbücher bewarb Fitzek damit, dass der deutsche Staat hierauf keinen Zugriff nehmen könne. Das spülte neues Vermögen in seine Kassen.‘“