Meldungen 2026 Februar

  • Sonntag, 01.02.2026

    Der Prozess um den Mord im Hotzenwald an Weihnachten 2023 wird neu aufgerollt. Der Bundesgerichtshof hob das bisherige Skandalurteil gegen Patrick Eichelberg wegen Totschlags an Mahdi ben Nacer am 13. Januar auf und verwies den Fall zurück an das Landgericht Waldshut-Tiengen. (Az. 1 StR 216/25). Dort wird nun in einem neuen Prozess geprüft, ob es sich bei dem Tötungsdelikt um Mord gehandelt hat. Außerdem muss endlich geklärt werden, wie die Tat genau stattfand und ob Patrick Eichelberg alleine gehandelt hat. Sein Sohn wurde bisher nicht als möglicher Mitmörder behandelt, obwohl die Zeugenaussagen darauf schließen lassen. Vor allem aber wird geprüft werden müssen, inwieweit die rassistische und christlich-fundamentalistische Ideologie des Täters für die Tat ursächlich waren.
    Presse: TS1 | TS2 | SWR | LTO | FR | Zeit

  • Montag, 02.02.2026

    Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich in einer Artikelserie mit dem Versuch der „Alternative für Deutschland“, in der oberbayerischen Kreisstadt Weilheim ihren ersten eigenen echten Veranstaltungsraum in Bayern zu etablieren. Weilheim liegt 50 km südwestlich von München zwischen Starnberger See, Staffelsee und Ammersee. Bei der bayerischen Landtagswahl 2023 stellte sich hier im Stimmkreis Weilheim-Schongau der AfD-Politiker Benjamin Nolte zur Wahl. Nolte zog über die Landesliste ins Münchner Maximilianeum ein und macht seit der konstituierenden Sitzung am 30. Oktober 2023 Nazipolitik im bayerischen Landtag.
    Als 16-jähriger trat Nolte in die „Junge Union“ im Sauerland ein. Er ging zum Studium nach Aachen und wurde Mitglied der „Burschenschaft Libertas Brünn zu Aachen“ in der „Deutschen Burschenschaft“, später auch der „Münchner Burschenschaft Danubia“. Selbst in den Reihen der rechtsradikalen Burschen stach Nolte noch als Provokateur hervor. Der damalige „Verbandsobmann für Politik und Kultur“ überreichte auf dem „Burschentag 2009“ in Eisenach einem Vertreter der „Kölner Burschenschaft Alemannia“ eine Banane, da die Kölner einen Schwarzen in ihren Reihen hatten.
    Der Vorfall brachte ihm den Spitznamen „Bananen-Nolte“ ein und führte noch 2009 zu seinem Rücktritt als „Verbandsobmann“ und seinem Austritt aus dem „Libertas“, nicht jedoch aus der „Danubia“. Nachdem der Vorfall 2011 von Antifas veröffentlicht worden war, führte der Skandal 2014 zu Noltes Rücktritt aus dem Vorstand der „Jungen Alternative“, nicht jedoch zum Ende seiner AfD-Karriere.
    Seitdem Nolte Landtagsabgeordneter ist, betreibt er in Weilheim ein „AfD-Bürgerbüro“ in der Münchner Straße 15, Ecke Schützenstraße. Hier finden kleinere Veranstaltungen unter harmlos klingenden Namen wie „Bürgerdialog“ statt. Darunter verstehen Nazis wie Nolte Veranstaltungen wie die am 19. Januar 2026 unter dem Motto „Die Generation Deutschland für Bayern stellt sich vor!“ Zu Gast waren zwei Vertreter der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“, die im November 2025 in Gießen gegründet wurde: Helmut Strauf („Mitglied des Bundesvorstands der GD“) und Tim Schulz („stv. Landesvorsitzender GD-Bayern“).
    Doch Benjamin Noltes Pläne gehen deutlich weiter als sein „Bürgerbüro“. Im gleichen Gebäudekomplex mietete Nolte das ehemalige Kino „Starlight“ an, das im August 2024 schließen musste. Der Eigentümer Christof Schätzl aus Starnberg von der „Bader und Schätzl GmbH Immobilienverwaltung“ vermietet das Kino lieber an Nolte, welcher das Kino zum ersten größeren von der AfD kontrollierten Veranstaltungsort in Bayern umbaut.
    Weilheim macht bisher kaum Anstalten, etwas gegen die AfD zu unternehmen. Erst nach einer Kommunikationsguerilla-Aktion im September 2025, bei der Unbekannte mittels eines gefälschten Amtsblatts zu Vorschlägen für eine „gemeinnützige Kulturstätte“ in dem ehemaligen Kino aufriefen, kam Bewegung in die Weilheimer Politik. Nicht aus Einsicht oder gar Zustimmung – es wurde sogleich Anzeige gegen die unbekannten VerfasserInnen erstattet – sondern weil in Weilheim linker Dauerprotest aufgrund überregionaler AfD-Veranstaltungen befürchtet wird. Am 7. Februar ist nun eine zivilgesellschaftliche Kundgebung in Weilheim gegen die AfD geplant. Der Gemeinderat bemühte mittlerweile zur Verhinderung des AfD-Veranstaltungsortes immerhin die städtische Parkplatzordnung.
    Presse: SZ am 30.09.2025 | SZ vom 26.10.2025 | SZ vom 23.01.2026