Montag, 27.04.2026

Sascha Trieblnig war überaus zufrieden mit der ersten Probe des „Freichors“, Freiburgs Nazimännerchor, am 9. März 2025. Der Austausch von Audio- und Videodateien sowie der Liedtexte und Noten erfolgte einfach professionell – also deutsch – über eine ungesicherte Dropbox:
„Einfach professionell – also deutsch – rekapituliert und fürs nächste Mal vorbereitet. Also auch für mich wirklich einer der wichtigsten Impulse in diesem Jahr, aber auch grundsätzlich für mich persönlich – ich liebe zu singen und brauche diesen Balsam für meine Seele. Insbesondere zu manch schwierigen Zeiten, die durchlebt werden.
Ich bin gespannt auf jene Momente, in denen ich die Schüchternheit überwunden habe, um alleine just im Moment der aufrichtigen Empfindung frei für mich zu singen. Zugleich freue ich mich auch darauf für jene zu singen, die ich liebe und mir viel bedeuten – ich freudigen Momenten als auch zum Beistand in anderen Lebensituationen.“

Gleich zu Beginn stand mit „Wenn die Bunten Fahnen wehen“ ein Lied der „Bündischen Jugend“ auf dem Programm. Das einprägsame 1. Fahnen-Video dieser frühen „Freichor“-Probe wird noch Generationen von HistorikerInnen zu Tränen rühren.
Die Jugendbewegung entstand um 1923 und umfasste alle parteipolitisch unabhängigen und konfessionellen ungebundenen Jugendbünde in der Weimarer Republik. Das „Deutsche Historische Museum“ schreibt zu der Bewegung:
„Die größtenteils aus dem Bürgertum stammende Bündische Jugend versuchte als eigenständige Selbsterziehungsgemeinschaft, ihr Leben neben Elternhaus, Schule, Kirche und Beruf frei zu gestalten. Auf Wanderfahrten ins Grüne, in Lagern und auf Heimabenden suchten die Bünde mit ihren insgesamt etwa 50.000 organisierten Mitgliedern eine zumeist romantisch stilisierte Rückbesinnung auf Heimat und Natur ohne Alkohol und Nikotin sowie ein Alltagsleben abseits der bürgerlichen Konsumgesellschaft mit ihren Normen und Ausschweifungen.
Die Einzelbünde der Wandervogelbewegung bildeten den Hauptbestandteil der äußerst aktiven Bündischen Jugend. Ähnlich bedeutend war die in Deutscher Pfadfinderbund, Bund der Reichspfadfinder, Ringgemeinschaft deutscher Pfadfinder und Christliche Pfadfinderschaft gespaltene Pfadfinderbewegung. Anfang der zwanziger Jahre übernahmen zahlreiche Wandervogelbünde die Halstücher, Fahnen und Wimpel der uniformierten Pfadfinder. Beiden Bewegungen waren eine jugendlich bestimmte Führungsstruktur und ein starker Romantizismus gemein.
Aus dem Zusammenschluss verschiedener Pfadfinder- und Wandervogelbünde entstand 1926 der ,Bund der Wandervögel und Pfadfinder‘, der sich im Jahr darauf in Deutsche Freischar (DF) umbenannte. Mit ihren 15.000 Mitgliedern bildete die DF den Kernbund der Bündischen Jugend. Wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten schloss sich die DF Ende März 1933 mit anderen Jugendorganisationen zum Großdeutschen Bund zusammen. Als einer der ersten Jugendverbände wurde dieser im Juni 1933 vom NS-Regime aufgelöst.“

Dennoch sehen sich auch rechtsradikale Jugendorganisationen wie die „Deutsche Gildenschaft“ (DG), die „Hitlerjugend“ (HJ), nach dem Krieg der „Bund Heimattreuer Jugend“ (BHJ), die 1994 verbotene „Wiking-Jugend“ (WJ), der „Freibund“ und ihre 2009 verbotene Nachfolgeorganisation „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) oder der „Sturmvogel“ in der Tradition der „Bündischen Jugend“.
Das 2. Fahnen-Video konnte dann am 28. März 2025 schon im „Ökumenischen Gemeindezentrum für die katholische Herz-Jesu-Gemeinde und die evangelische Versöhnungsgemeinde in Stegen“ gedreht werden. Am 29. März schrieb „Oberchorbannführer“ Hötzer:
„WICHTIGE NEUIGKEITEN!!
Verehrte Sängerkameraden!
Es gibt mehrere Dinge zu verkünden, zu denen ich euch bitten möchte eure Meinung zu äußern.
1. Jan Elert, der Präsident des Chorverband Breisgau und Mitsänger in meinem Münstertäler Männerchor hat angeboten, dass wir Teil des MGV Untermünstertal werden. Damit würden wir Förderung vom Verband bekommen, ohne selbst einen Verein anmelden und leiten zu müssen. Es wäre quasi ein 2. Chor innerhalb des MGV Untermünstertal. Dass wir woanders Proben spielt keine Rolle. Wir haben keine Verpflichtungen gegenüber dem Hauptchor, aber Mitsingen dort ist immer willkommen. Was haltet ihr davon?
2. Gestern hat Jakob mich darauf hingewiesen, dass die dritte Strophe von ,Wenn die Bunten Fahnen wehen‘ perfekt die Umfrage Ergebnisse der AfD Zusammenfassen: ,Wo die Blauen Gipfel ragen, lockt so mancher Steile Pfad, immer vorwärts ohne Zagen, bald sind wir dem Ziel genaht.‘ Ich würde in der Freiburger AfD Telegram-Gruppe damit für uns werben. Was haltet ihr davon?
3. Kommt ihr zur nächsten Probe am Freitag, 18 Uhr nach Stegen?“