Vor dem Landgericht Magdeburg läuft zur Zeit ein Prozess wegen versuchten Totschlags gegen den Nazi Ulrich Cullmann, geboren am 14.05.1969 als Ulrich Klöries. Opfer ist ein mittlerweile 81-jähriger Magdeburger, der am 2. September 2025 gegen 21:20 Uhr von Cullmann angegriffen wurde: erst ein Schlag ins Gesicht, dann der Einsatz von Pfefferspray. Weiter schreibt die taz:
„Dann habe er ein Messer gezückt. Mit Wucht habe er dieses in den Oberkörper von Wolfgang P. gerammt, neben die linke Achsel, 15 Zentimeter tief, es traf dessen Lunge.“
Teile der Lunge mussten entfernt werden, das Opfer benötigt zukünftig einen Rollator. Der Täter sagt „nichts zum Vorwurf, dass er einen mittlerweile 81-jährigen Magdeburger beinahe erstach, weil dieser sich über das Verkleben von ein paar Stickern beschwerte. Sticker des III. Wegs, eine der radikalsten Parteien im rechtsextremen Spektrum.“
Ulrich Cullmann ist ein psychisch kranker Alkoholiker: „Schon seit Jahren soll er ein Problem mit Alkohol und Drogen haben. Ein Gutachter soll ihm in der Haft eine Schizophrenie attestiert haben. Daraufhin wurde [Cullmann] von der JVA Burg in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt.“
Ansonsten ist dieser „Ulrich Cullmann“ ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt, doch sein Alter Ego ist ein alter Bekannter. Als „Ulrich Klöries“, was in Akten regelmäßig zu „Ulrich Kloeries“ wird, machte der Nazi Karriere:
„Schon als Jugendlicher, als Ulrich [Cullmann] noch in Köln lebte und einen anderen Namen trug, trat er nach taz-Recherchen in die rechtsextreme NPD ein. Es folgte ein Weg durch fast alle Parteien, die damals in der Neonazi-Szene Bedeutung hatten. Er machte bei der ,Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei‘ (FAP) mit, die 1995 verboten wurde. 1994 war er Kandidat der ,Deutschen Liga für Volk und Heimat‘ bei der Kommunalwahl in Köln. In Antifa-Archiven findet sich für das Jahr auch eine Teilnahme von Ulrich [Cullmann] an einem denkwürdigen Aufmarschversuch in Luxemburg. Neonazis wollten dort Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess gedenken, auch Szenegrößen wie Siegfried ,SS Siggi‘ Borchardt reisten an. Der Ausflug endete für sie im Debakel: Die luxemburgische Polizei zerschlug den Aufmarsch rabiat, nahm die Neonazis fest. Ulrich [Cullmann] aber machte weiter, war später im Kölner ,Bund Nationaler Kameraden‘ aktiv, 1998 handelte er sich bei einem Szenekonzert in Düsseldorf ein Verfahren wegen ,Sieg Heil‘-Rufen ein.
Und es blieb nicht bei Worten. Nach taz-Informationen fiel Ulrich [Cullmann] seit 1991 mehrfach auch wegen Körperverletzungen oder Widerstandshandlungen auf, einmal schoss er einem Mann mit einem Luftgewehr ins Bein. 2009 wurde er in Köln dann gar wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Anlass war auch hier banal, die Gewalt fürchterlich: Er hatte seine 27-jährige Mitbewohnerin nach einem Streit um 50 Euro mit massiven Schlägen und Tritten gegen den Kopf und Oberkörper attackiert, sie dann mit zwei Messerstichen in die Brust getötet und ihr mit einem Luftgewehr in den Kopf geschossen. Nach dem Mord vergewaltigte [Cullmann] sein Opfer. Die Staatsanwaltschaft forderte eine lebenslange Haftstrafe. [Cullmann] wurde aber als vermindert schuldfähig erklärt, da er bei der Tat fast drei Promille Alkohol im Blut hatte.
Seine Haftstrafe saß er bis Juni 2021 ab. Zur Tatzeit des Messerangriffs in Magdeburg stand er noch unter Führungsaufsicht. Zuvor muss Ulrich [Cullmann] zumindest eine Kehrtwende versucht haben. Er nahm nach taz-Informationen in der Haft an einem Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen teil, änderte seinen Namen, zog nach Magdeburg. Von seiner Gesinnung aber löste er sich offensichtlich nicht. Bei seiner Festnahme soll die Polizei in seiner Wohnung nicht nur kartonweise Aufkleber und Poster des III. Wegs gefunden haben, sondern auch mehrere Messer und Pfefferspray. In der Haft soll er eingeräumt haben, seine Wohnung sei auch sonst rechtsextrem ,ausgeschmückt‘.“