Die Zeit (Archiv | Disclaimer) berichtete am 23. April 2026 über den völkischen „Jungadler“, der erstmals Anfang 2025 im Zuge der Razzia bei dem damaligen Oberstaatsanwalt Günter Handke in Brandenburg und Berlin der Öffentlichkeit bekannt wurde. Handke wird die Fortführung der 2009 verbotenen Naziorganisation „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) unter dem Namen „Jungadler“ vorgeworfen. Die Zeit schreibt:
„Der Jungadler war nie als Massenorganisation gedacht, eher als elitäres Projekt mit sorgsam ausgewählten Teilnehmern. Rund hundert lassen sich mithilfe der vorliegenden Dokumente über die Jahre zählen, gut vierzig von ihnen konnte die ZEIT identifizieren. Es sind keine frustrierten, perspektivlosen Neonazis in Springerstiefeln, sondern oft hochgebildete junge Männer und Frauen. Viele haben ein Einser-Abitur, haben bei Musik- oder Sportwettbewerben geglänzt. Nicht selten tragen sie altdeutsche Namen wie Sunhild oder Wieland und entstammen Elternhäusern, in denen das deutsche Volk als Rassegemeinschaft verehrt wird.“
Der Artikel beschreibt exemplarisch das Leben der Familie des mittlerweile toten Ralf Wilhelm aus Baden-Württemberg, von dem mindestens drei Kinder an Zeltlagern des „Jungadlers“ teilnahmen. Zuvor war die Familie in der am 10. November 1994 verbotenen „Wiking-Jugend“ aktiv, dann in der am 31. März 2009 verbotenen HDJ. Alle diese Organisationen gehen zurück auf die „Hitlerjugend“ (HJ) und ihr 1939 statuiertes Prinzip „Jugend wird durch Jugend geführt“:
„Um eine Jungadler-»Horte« zu leiten, musste man offenbar – wie einst in der Hitlerjugend – eine »Führerschule« absolvieren. 76 Jahre nach Kriegsende heißt es in einer Einladung zur »Praktischen Führerschule« des Jungadlers für Pfingsten 2021 in Frakturschrift: »Manche Dinge kann man hart oder weich erleben, wir erleben sie hart.«“
Andere der völkischen „Jungadler“-Familien haben laut Zeit Verbindungen zu der am 27. September 2023 verbotenen „Artgemeinschaft“. Für deren Zeitung schrieb unter anderem Wolf-Dieter Schröppe, der 1992 zusammen mit dem 2013 gestorbenen Nazimörder Erich Priebke fotografiert wurde, wie die taz aufdeckte.
Schröppe und Priebke waren zusammen im Vorstand der deutschen Schule im argentinischen San Carlos de Bariloche, bevor Priebke 1995 an Italien ausgeliefert und 1998 dort verurteilt wurde. Schröppe hingegen brachte es an der Waldorfschule in Minden „vom Hausmeister, Handwerkslehrer zum ,informellen Leiter‘“, wie der Blick nach Rechts 2015 schrieb.
Die Zeit führt Indizien an, dass in Schröppes „Schmiede am Rande eines niedersächsischen Moors“ „Jungadler“-Treffen stattgefunden haben. In der 2014 gegründeten Schmiede tritt Wolf Schröppe mit seinen Söhnen Wieland und Wedekind als „Moorschmiede“ auf.
Am Ende geht der Zeit-Artikel noch auf Verbindungen des „Jungadlers“ zur AfD ein. So nahmen mehrere Kinder des AfD-Bundestagsabgeordneten Peter Felser an „Jungadler“-Treffen teil. Peter Felser ist „Alter Herr“ der „Deutschen Hochschulgilde Heinrich der Löwe München“ in der „Deutschen Gildenschaft“ (DG). Auch die Kinder des Roßlauer AfD-Ortsbürgermeisters Laurens Nothdurft fuhren zu „Jungadler“-Treffen: „einst war er »zweiter Bundesführer« der HDJ, seine Frau wirkte zeitweise als »Bundesmädelführerin«. Eine seiner Töchter scheint beim Jungadler eine wichtige Rolle gespielt zu haben. [...]
Und dann ist da noch der Fall, der die Ermittlungen zum Jungadler überhaupt erst ins Rollen brachte: der eines Brandenburger Oberstaatsanwalts. Seine Ehefrau, selbst vor vielen Jahren im HDJ-Milieu aktiv, hatte ihn im Januar 2025 im Trennungsstreit angezeigt: Er unterstütze eine Gruppe namens »Jungadler«, die die HDJ fortführe. Ermittler durchsuchten sein Haus und prüfen nun, ob seine Frau falsche Vorwürfe gegen ihn in Umlauf gebracht haben könnte, Belege für eine aktive Unterstützung des Jungadlers gibt es bislang nicht. Der Oberstaatsanwalt könnte aber von dem Jugendbund gewusst und geschwiegen haben. Mit Familie Nothdurft ist er eng verwandt.“
Günter Handkes Schwester, damals bei der HDJ unter ihrem Geburtsnamen Mandy Böttiger bekannt, ist Laurens Nothdurfts Ehefrau.