Dienstag, 23.06.2026

Am Wochenende des 19. bis 21. Juni 2026 feierte die „Leobener Burschenschaft Leder“ in der „Deutschen Burchenschaft“ im österreichischen Leoben ihr „140. Stiftungsfest“. Leoben ist die zweitgrößte Stadt der Steiermark nach Graz. Obwohl nur knapp 25.000 Menschen in der Stadt wohnen, sind dort zwölf Studentenverbindungen ansässig. Wir haben uns 2024 in dem Text „Streit in Leoben“ die dortige Korporationsszene angeschaut.
Bereits am Freitag waren an die hundert Gäste zum „Begrüßungsabend mit Tanz und Musik“ ab 18 Uhr angereist, zumeist „Burschenschafter“ aus Österreich und Deutschland. Als Festredner war der einschlägig bekannte AfD-Nazi Matthias Helferich angekündigt und entsprechend rassistisch war das Publikum. Das Motto des „Leder-Stiftungsfests“: „Deutsch – Furchtlos – Treu“.
Das „Festsymposium“ hingegen war für Samstag Nachmittag um 15 Uhr und der „Festkommers“ um 20 Uhr geplant – eindeutig der Haupttag des Wochenendes. Doch bereits Freitagnacht demonstrierten mehrere „Burschenschafter“, warum „Stiftungsfeste“ Hochrisikoveranstaltungen sind. Gegen 2:20 Uhr schlugen mehrere „Burschenschafter“ vor ihrem Veranstaltungsort einen 57-jährigen Taxifahrer zusammen, der sie wegen ihrer „Sieg Heil“-Rufe aus seinem Taxi geworfen hatte. Der Mann lebt „seit 40 Jahren in Österreich“ und hat „einst selbst an der Montanuni studiert“, wie der Standard berichtete.
„Der Taxilenker wurde am Samstag um zwei Uhr morgens von seiner Zentrale zu dem Firmengelände der Firma Ehgartner in den Stadtteil Donawitz gerufen. Dort feierten, wie sich später herausstellen würde, hunderte Burschenschafter in einer Halle.“
Hannes Hundegger, der Geschäftsführer der Firma Ehgartner, ist selbst „Alter Herr“ der „Burschenschaft Leder“ und war 2020 Festredner beim „Akademikerball“ in Wien.
„,Eine Dame hatte angerufen und eine Dame und ein Mann stiegen dann in meinen Wagen‘, erzählt der verletzte Taxilenker, ,und dann ging es bald los und sie riefen ’Sieg Heil!‘‘.
Der Fahrer sagte den beiden Fahrgästen daraufhin umgehend, sie sollten seinen Wagen verlassen und rief die Polizei, um eine NS-Wiederbetätigung anzuzeigen. Der Mann habe noch zu ihm gesagt: ,Du kleine fette Ausländersau.‘ ,Die Polizei hat ungefähr eine Viertelstunde gebraucht und derweil wollten die beiden zurück in die Halle gehen. Ich wollte das verhindern und ging dem Mann nach.‘
Doch weiter als bis zur Türe der Halle soll der Mann nicht gekommen sein. Drei Burschenschafter schlugen Momente später auf ihn ein, bis er auf dem Boden lag. ,Dann haben sie mir noch in den Oberkörper und in den Kopf getreten, auch in meinem Kehlkopf. Ich habe keine Luft mehr bekommen und habe ihnen das auch gesagt. Sie beschimpften mich, als ich am Boden gelegen bin, als Ausländerschwein und Hurensohn.‘“

Es heißt: „Ermittelt wird wegen des Verdachts der Körperverletzung und nationalsozialistischer Wiederbetätigung gegen mehrere derzeit unbekannte Täter.“. Aber die österreichische Polizei ist in etwa so engagiert wie die deutsche, wenn es um die Aufklärung von Naziverbrechen geht – nur ohne die gesellschaftliche Sensibilität für die begangenen NS-Verbrechen ihrer Vorgänger im Amt:
Die Kieberer haben den Täter nicht festgenommen, die Veranstaltungshalle nicht betreten, das Nazifest nicht gestört und lediglich lustlos ein paar Personalien herumstehender „Burschenschafter“ aufgenommen.
„[Zu] seiner Verwunderung gingen diese nicht in die Halle, sondern sollen nur die Personalien von im Freien herumstehenden Leuten aufgenommen haben. ,Und sie haben auch meine Verletzungen fotografiert‘, so der Mann. Der Mann, der in seinem Taxi gesessen habe, fuhr dann selbst weg. ,Ich habe mir das Kennzeichen notiert, es war ein Elektro-BMW‘, sagt der Taxilenker. Die Telefonnummer jener Frau, die das Taxi gerufen hatte, sei zudem in der Zentrale bekannt. Der männliche Fahrgast habe ,einen deutlichen Schmiss im Gesicht‘ gehabt, beschreibt der zusammengeschlagene Mann ihn. [...]
Die drei Männer, die nach seinen Schätzungen zwischen 20 und 30 Jahre alt seien, hätten auch versucht, seine Taschen zu durchsuchen und immer wieder geschrien: ,Wie heißt du?!‘ Er habe es ihnen nicht gesagt. Der Taxifahrer hatte schon davor, am Freitagabend, eine ,Fuhr‘ mit zwei Burschenschaftern ,mit tiefem Schmiss‘ gehabt, sie hätten gesagt, sie kämen aus Frankfurt, studierten in Graz und arbeiteten in Wien. Und sie hätten dem Taxifahrer ,ein Gedicht über Juden aufgesagt‘.“

Am Montag berichtete der Standard dann über die Konsequenzen für die „Burschenschaft Leder Leoben“:
„Der Übergriff selbst sorgte für Nachwehen in der zweitgrößten Stadt der Steiermark. Das Rektorat der international renommierten Montanuni hatte sich bereits im Vorfeld vom Event mit Helferich distanziert. Am Montag erfolgte dann eine historische Maßnahme des Rektorats. Es teilte mit, dass ,die Burschenschaft Leder auf den kommenden Veranstaltungen der Montanuniversität Leoben nicht mehr anwesend sein‘ werde.“
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