Die „Allgemeine Deutsche Burschenschaft“ (ADB) hat sich so einiges vorgenommen im Geschäftsjahr 2026. Zum Beispiel Boomer-Hedonismus. Es gab bereits drei „Regionalveranstaltungen“: „Nord“ am 30. Mai 2026 organisiert von der „Hannoverschen Burschenschaft Arminia“ (aka Besuch Herrenhäuser Gärten), „Süd“ am 6. Juni 2026 von der „Münchener Burschenschaft Sudetia“ (aka Besuch Schloss Nymphenburg) und „West“ am 6. Juni 2026 von der „Burschenschaft Sigambria et Alemannia Siegen“ (aka Brauereiführung).
Vom 3. bis 5. Juli 2026 findet in Braunschweig eine „Seminartagung“ organisiert von der „Braunschweiger Burschenschaft Germania“ statt, der derzeitigen „vorsitzenden Burschenschaft“ repräsentiert durch Frederic Dinse, Lukas Zieme und Philipp Meinhold. Das Programm beinhaltet die üblichen Meta-Workshops zum Keilen („Fbr. Dr.-Ing. Michael Budde“), Fechten („Fechtmeister Wbr. Leonardo Germoglio“) und zur „Fuchsenstunde“ („Vbr. Sebastian Keine“) sowie zur kapitalistischen Selbstoptimierung: Seminare zu „Rhetorik“ („Vbr. Lars Heydenreich“), „Projektmanagement“ („Vbr. Lukas Knopf“) und „Zeit- und Selbstmanagement – Umgang mit Stress“ („Kadenbach coaching“). Zum sonntägliche Katerbrunch lädt die „Braunschweiger Burschenschaft Arminia-Gothia“.
Der wohl wichtigste Termin – insbesondere wegen des Ortes – ist der „Burschentag“ vom 23. bis 25. Oktober 2026 auf dem Hambacher Schloss, wo die ADB ihr zehnjähriges Bestehen feiern will. Mit ihrer Gründung besiegelte die ADB 2016 die Spaltung der „Deutschen Burschenschaft“ (DB). Freitag wollen die „Burschenschafter“ auf der Villa Ludwigshöhe verbringen und Samstag auf dem Hambacher Schloss. Der übernächste „ADB-Burschentag“ soll vom 28. bis 31. Oktober 2027 vollständig auf dem Hambacher Schloss stattfinden.
Weniger pompös sind die Bettelbriefe der „Gießener Burschenschaft Germania“ und der „Aachener-Dresdner Burschenschaft Cheruskia“ um „Stützburschen“ – einer Art menschlicher Leihgabe anderer „Burschenschaften“ als lebensverlängernde Maßnahme für sterbende Bünde. Diese Briefe, so kurz vor dem Tode, entfalten eine ganz eigene Poesie. Sie bilden ein eigenes Genre im ansonsten eher gefühlsstumpfen Einerlei der Korporationsszene: „Stützburschbettelbriefe“.
Nehmen wir nur unsere liebe „Germania“: „Hiermit übermittle ich euch im Auftrag der Aktivitas, dass sich die Germania im Sommersemester 2026 aufgrund von Mitgliedermangel gegenüber dem Dachverband vertagt. Die aktuelle Stärke der Aktivitas stand Antrittsconvent 13.04.2026 beruht auf 1. Fux, 2. aktiven Burschen, 3. inaktiven Burschen und 2. Auswärtigen und sind somit nach unserer Satzung nicht mehr geschäftsfähig. Die Option durch Reaktivierungen die Aktivenanzahl künstlich hochzuhalten ergab keinen Sinn, da die iaB. Berger, Ulmer und Hüttenberger sowie der auswärtige Bbr. Fieweger spätestens zum Wintersemester 26/27 philistriert werden.“
Ist das nicht traurig? Deshalb muss es heißen: „Stütze, wer kann!“ Die „Alemannia Gießen“ jedenfalls kann nicht:
„Kurzfristig wird uns, um größere Veranstaltungen durchzuführen, die B! Alemannia Gießen unterstützen können. Jedoch können wir keine Stützburschen dahingehend erwarten, da diese selbst mit Nachwuchsmangel zu kämpfen hat, jedoch besser aufgestellt ist als wir. Wir sind offen für Vorschläge und Konzepte um uns aus der Vertagung zu Retten.“
Schlimm auch die „Dresdner Cheruscia“, so demütig: „Wie gesagt, wir rechnen nicht mit Erfolg, wollen es mit dieser Anfrage aber wenigstens einmal versuchen.“ Dabei fordern die Herren „Unterstützungsburschen“, am liebsten „nach Dresden wechselnde Aktive“ oder zumindest „zufällig nach Dresden gehende Studenten [...], die dem Verbindungsstudententum geneigt sind“.
Denn es läuft nicht gut für die „Cherusker“: „Nach unserer Neugründung in Dresden im Jahre 1991 und dem Erwerb unseres angestammten Verbindungshauses in der Eisenstuckstraße erlebte unser auf einer Tradition aus dem Jahre 1861 beruhender Bund einige florierende Jahre. In den letzten Jahren jedoch bekamen auch wir die in der burschenschaftlichen Welt leider immer drohenden Nachwuchsprobleme. Wir haben nun beschlossen, uns den Realitäten zu stellen, das Streben nach einer Aktivitas aufzugeben und nur noch als Altherrenverband weiterzubestehen, vor dem Vollzug des Beschlusses jedoch noch einmal eine letzte große Anstrengung zu unternehmen.“
Aber wie gesagt, sie rechnen selbst nicht mit Erfolg: „Wir danken Ihnen auf jeden Fall für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen Ihrem Bund herzlich eine glückhafte Zukunft in für die Burschenschaftliche Idee bald wieder gedeihlicheren Zeiten.“