Sonntag, 10.05.2026

Am 1. April 2026 endete der zweite Prozess gegen die Eisenacher Nazigruppe „Knockout 51“ vor dem Oberlandesgericht Jena mit milden Verurteilungen – die Generalbundesanwaltschaft hatte Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren gefordert. Der BGH hatte im Februar entschieden, dass die Nazigruppe nicht als terroristische Vereinigung gemäß § 129a StGB, sondern lediglich als kriminelle Vereinigung gemäß § 129 StGB angesehen werden dürfe.
Der 27-jährige Nazi Kevin Noeske erhielt als Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung zwei Jahre und neun Monate Haft. Marvin Wolf wurde wegen Mitgliedschaft und der Beihilfe zur Herstellung einer Waffe zu zwei Jahren Haft ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung verurteilt. Patrick Wieschke, Kreisvorsitzender der Nazipartei „Die Heimat“ (ehemals NPD) im Eisenach-Wartburgkreis, wurde als Unterstützer zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, ebenfalls für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Antifagruppe „We’re watching you, 51“ schreibt zu dem Prozess:
„Bereits der erste Prozess gegen Leon Ringl, Eric Krempler, Maximilian Andreas und Bastian Adam stellte in seiner Verkürzung auf wenige Taten und bloß vier Angeklagte eine starke Verzerrung der Eisenacher Realitäten unter dem Alltagsterror der örtlichen Neonaziszene dar. Alleine Knockout 51 sind zweitweise über zwanzig Personen zuzuordnen gewesen, von denen wiederum ein gutes Dutzend unmittelbar an den verschiedenen Taten und am Aufbau der Gruppenstruktur beteiligt war.
Weil die Bundesanwaltschaft sich für eine sehr verkürzte Anklage gegen wenige Exponenten entschied, entkamen viele HelferInnen der Öffentlichkeit eines Strafprozesses wegen Terrorverdachts. Dabei steht hinter den angeklagten Taten und der Gruppenstruktur eine ganze Szene überwiegend junger Neonazis, die bei bestem Wissen am Terror mit Tötungsabsichten gegen Linke mitgewirkt haben. Im Folgenden soll ein wenig Licht ins Dunkel dieser Eisenacher Zustände gebracht werden, die auch zwei Strafprozesse gegen wenige Kader von Knockout 51 überdauern werden.“

Portraitiert werden die „Knockout 51“-Nazis Nils Ackermann, Denis Kuzub, Florian Ott, Lauro Biastoch, Paul Biastoch, Mike Keding, Tommy Haasch, Thorben Pfotenhauer, Hannah Ringl, Benjamin Sode, Maximilian Hobert, Julian Matzke, Julian Nölker, Josephine Orthey, Lara-Louise Teßmann, Markus Walther, Marius Laudenbach, Steven Marx, Ulrike Eckern, Bastian Hausmann und Guido Bredau.
Presse: MDR | taz | Migazin | Belltower